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Biikebrennen auf Amrum: Feuer, Fackeln und Tradition

Am 21. Februar brennen in allen fünf Inseldörfern die Biikefeuer. Was hinter dem Brauch steckt, wie der Abend abläuft und was du als Gast wissen solltest.

Jedes Jahr am Abend des 21. Februar brennen auf Amrum die Biikefeuer. In allen fünf Inseldörfern, in Wittdün, Steenodde, Süddorf, Nebel und Norddorf, werden große Holzstöße an der Wattseite angezündet, 2026 ab 18 Uhr. In Norddorf zieht vorher ein Fackelzug zum Feuerplatz. Das Biikebrennen ist der wichtigste Brauch der nordfriesischen Inseln und steht seit 2014 im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Zuschauen kostet nichts, Gäste sind willkommen. Wer extra dafür anreist, sollte vor allem an warme Kleidung und an die Fähre denken, denn im Winter fahren die Schiffe deutlich seltener als im Sommer.

Biikebrennen auf Amrum: Feuer, Fackeln und Tradition

Was ist das Biikebrennen?

Das Wort „Biike“ kommt aus dem Nordfriesischen und bedeutet so viel wie Bake oder Feuerzeichen. Auf Amrum heißt das Fest auf Öömrang Biakin, der Abend des 21. Februar ist der Piadersinj, der Petersabend. Er ist der Vorabend von Petri Stuhlfeier am 22. Februar, dem Petritag, der auf den Inseln lange ein wichtiger Termin im Jahreslauf war.

Wo das Feuer herkommt, ist nicht eindeutig geklärt. Wahrscheinlich sollte es im Mittelalter böse Geister vertreiben und die neue Saat schützen, später wurde es mit christlichen Festtagen verbunden. Die Konferenz der Kultusminister gab am 12. Dezember 2014 bekannt, dass das Biikebrennen in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen wird. Oft liest man, es sei ein UNESCO-Welterbe. Das stimmt so nicht, es handelt sich um das nationale Verzeichnis, das in Deutschland im Rahmen des UNESCO-Übereinkommens geführt wird.

Die Legende von den Walfängern

Fast in jeder Beschreibung des Biikebrennens steht, die Frauen hätten die Feuer entzündet, um die Walfänger vor ihrer Abfahrt ins Eismeer zu verabschieden. Die Geschichte ist schön, aber nach heutigem Kenntnisstand eine Erfindung. Sie geht auf den Sylter Lehrer und Chronisten C. P. Hansen zurück, der sie um 1830 aufschrieb und damit, wie viele Autoren seiner Zeit, die regionale Identität stärken wollte.

Einen wahren Kern gibt es trotzdem. Belegt ist, dass sich auf Sylt vor 1760 am 22. Februar die Seeleute trafen, um ihre Abfahrt zu den Walfanghäfen zu besprechen und Heuerverträge abzuschließen. Die Verbindung zwischen Petritag und Seefahrt ist also real, nur die romantische Abschiedsszene am Feuer ist später dazugekommen. Heute gehört beides zum Fest: der alte Brauch und die Geschichte, die man sich dazu erzählt.

So läuft der Abend auf Amrum ab

Die Holzstöße werden in den Wochen vorher aufgeschichtet, zum großen Teil aus alten Weihnachtsbäumen und Gestecken, die bis Februar aufgehoben wurden. Diese großen Holzhaufen gibt es auf den Inseln wahrscheinlich erst seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert sollen die Biiken noch aus langen Stangen mit Strohbündeln an der Spitze bestanden haben.

Obenauf sitzt auf Amrum häufig eine Strohpuppe, der „Piader“. Er steht für den Winter, und wenn er ins Feuer fällt, gilt der Winter als besiegt. 2026 begann das Geschehen in Norddorf bereits um 17.30 Uhr mit einer Ansprache vor dem Kino. Von dort zog ein Fackelzug gemeinsam zum Biikeplatz an der Wattseite. In den anderen Dörfern wurden die Feuer ab 18 Uhr entzündet. Für Glühpunsch und warme Getränke sorgen in der Regel die Freiwilligen Feuerwehren direkt am Feuer, in Wittdün gab es den Ausschank rund 100 Meter entfernt vor dem Seefohrerhus.

Auf Amrum hat sich außerdem ein Brauch gehalten, der Gäste gern überrascht: Man schwärzt sich gegenseitig mit Ruß die Gesichter. Und auf Amrum, Föhr und Sylt kennt man die Tradition, das Feuer im Nachbardorf schon vor der Zeit anzuzünden.

Biike in ganz Nordfriesland

Amrum ist mit seinen fünf Feuern nur ein Teil eines größeren Bildes. Am 21. Februar brennen Biiken auf Sylt, Föhr, Pellworm, den Halligen und an vielen Orten auf dem nordfriesischen Festland. Bis in die Zeit des Nationalsozialismus wurde der Brauch auf dem Festland und den Inseln gefeiert, danach beschränkte er sich weitgehend auf Sylt. Seit 1970, als drei Kreise zum Kreis Nordfriesland zusammengelegt wurden, hat er sich wieder in der ganzen Region verbreitet.

Die Feste unterscheiden sich im Detail. Auf Sylt wird vor dem Anzünden eine Rede auf Sölring gehalten, die mit der Aufforderung „Maaki di biiki ön“ endet, also „Macht die Biike an“. Auf Sylt und Föhr haben die Schulkinder am nächsten Tag frei.

Grünkohl und Radio Öömrang

Nach der Biike gibt es traditionell Grünkohl. Viele Restaurants auf der Insel bieten rund um den 21. Februar Grünkohlessen an, und weil die Plätze begrenzt sind, lohnt sich eine Reservierung. Was sonst typisch auf den Tisch kommt, erklärt unser Beitrag über die nordfriesische Inselküche auf Amrum und Föhr.

Eine Besonderheit gibt es auch im Radio. Seit 2006 sendet „Radio Öömrang“ jedes Jahr nur an einem einzigen Tag, nämlich zum Biikebrennen. Das Programm läuft über Kurzwelle, ist weltweit zu empfangen und richtet sich auf Friesisch und Englisch an ausgewanderte Amrumer und ihre Nachkommen. Wer mehr über die Inselsprache wissen möchte, findet in unserem Beitrag über Öömrang, das Amrumer Friesisch eine gute Einführung.

Was du als Gast wissen solltest

Das Wichtigste ist die Anreise. Im Februar ist der Fahrplan der Fähren deutlich dünner als im Sommer, prüfe die letzte Verbindung des Tages deshalb vorher bei der Reederei. Am entspanntesten reist du einen Tag früher an. Fähren fallen selten aus, bei starkem Sturm kann es im Winter aber vorkommen. Welche Verbindungen es gibt, zeigt unser Beitrag zur Fähre nach Amrum mit Fahrplan und Preisen. 2027 fällt der 21. Februar auf einen Sonntag.

Bei der Kleidung gilt: so warm wie möglich. Die durchschnittlichen Tageshöchstwerte liegen im Februar auf Amrum bei knapp 3 Grad, abends wird es kälter, und an der Wattseite weht fast immer Wind. Vorne am Feuer wird es heiß, der Rücken bleibt kalt. Mütze, Schal, Handschuhe und gefütterte Schuhe gehören dazu, für den Heimweg eine Taschenlampe.

Mit Kindern ist die Biike ein schönes Erlebnis, gerade der Fackelzug. Halte mit kleinen Kindern Abstand zum Feuer und achte auf Funkenflug. Hunde sind am Feuer oft unruhig, weil viele Menschen, Rauch und Knistern zusammenkommen. Ein ängstlicher Hund bleibt an diesem Abend besser in der Ferienwohnung.

Ob eine Biike bei extremem Wetter stattfindet, entscheiden die Veranstalter vor Ort. Die genauen Brennplätze und Zeiten veröffentlicht die Amrum Touristik jedes Jahr in ihrem Veranstaltungskalender, dort lohnt kurz vorher ein Blick.

Ein paar Tage Amrum im Februar

Wer zum Biikebrennen kommt, bleibt meist ein paar Tage. Der Februar ist auf Amrum die ruhigste Zeit des Jahres, die Strände sind fast leer, und bei klarem Wetter ist der Nachthimmel über der Insel besonders dunkel. Warum sich der Blick nach oben lohnt, erklären wir in unserem Beitrag über den Nachthimmel über Amrum. Für Tage mit Regen oder Sturm gibt es Museen, das Schwimmbad in Wittdün und die Cafés, mehr Ideen stehen in unseren Tipps für schlechtes Wetter auf Amrum.

Wohnen nah am Feuer

Am schönsten ist es, wenn du zu Fuß zur Biike gehen kannst und hinterher schnell im Warmen bist. In Wittdün liegt die Ferienwohnung „Mein Meerblick“ mitten im Ort an der Inselstraße, mit Balkon und Blick auf den Seezeichenhafen und einem Aufzug im Haus. In Norddorf, wo der Fackelzug stattfindet, wohnst du in der Ferienwohnung „Frisia 6“ am Rand der Fußgängerzone, Kino und Geschäfte sind gleich um die Ecke, und dank Gasheizung ist die Wohnung auch im Winter gemütlich. In Nebel steht das Ferienhäuschen „Höske“ im historischen Ortskern, für zwei Personen und mit eigener kleiner Terrasse.

FAQ — Häufige Fragen zum Biikebrennen auf Amrum

Wann ist das Biikebrennen auf Amrum?

Jedes Jahr am 21. Februar nach Einbruch der Dunkelheit. 2026 brannten die Feuer ab 18 Uhr.

Wo brennen die Biiken auf Amrum?

In allen fünf Inseldörfern: Wittdün, Steenodde, Süddorf, Nebel und Norddorf, jeweils an der Wattseite. Die genauen Plätze veröffentlicht die Amrum Touristik.

Was bedeutet Biike?

Das nordfriesische Wort bedeutet so viel wie Bake oder Feuerzeichen. Auf Amrum heißt das Fest Biakin.

Ist das Biikebrennen UNESCO-Welterbe?

Nein. Es steht seit 2014 im bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland.

Wurde die Biike für die Walfänger angezündet?

Das ist eine Legende, die der Sylter Chronist C. P. Hansen um 1830 aufgeschrieben hat. Der Brauch selbst ist älter.

Was ist der Petritag?

Der 22. Februar, das Fest Petri Stuhlfeier. Die Biike brennt an seinem Vorabend.

Gibt es in Norddorf einen Fackelzug?

Ja. 2026 begann er nach einer Ansprache vor dem Kino um 17.30 Uhr und führte zum Biikeplatz.

Was hat es mit der Strohpuppe auf sich?

Die Puppe heißt auf Amrum Piader und steht für den Winter. Fällt sie ins Feuer, gilt der Winter als besiegt.

Kostet das Biikebrennen Eintritt?

Nein, Zuschauen ist kostenlos. Getränke und Essen am Feuer werden meist von den Feuerwehren verkauft.

Was isst man nach der Biike?

Traditionell Grünkohl. Viele Restaurants bieten rund um den 21. Februar Grünkohlessen an, eine Reservierung ist sinnvoll.

Kann ich am 21. Februar anreisen?

Möglich, wenn du früh genug auf der Insel bist. Der Winterfahrplan ist dünn, deshalb ist die Anreise am Vortag die sichere Wahl.

Ein Abend, der die Insel zeigt

Das Biikebrennen ist kein Fest für Gäste, sondern eines der Insulaner, zu dem Gäste herzlich dazukommen dürfen. Genau das macht den Abend besonders: Feuer, Fackeln, ein paar Worte auf Friesisch und danach ein Teller Grünkohl im Warmen.

Auf www.amrum-appartements.de findest du Ferienwohnungen in Wittdün, Süddorf, Nebel und Norddorf, von denen aus du im Februar zu Fuß oder mit dem Rad zur Biike kommst. Für die Tage rund um den 21. Februar lohnt es sich, früh zu buchen.