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Schafe auf Amrum: Heidschnucken, Deiche und Heidepflege

Wer weidet auf Amrums Heide und Deichen? Von den Inselschafen vom Lupohof über Islandpferde bis zu den Galloways in den Dünen, mit Tipps für Hundehalter.

Ja, auf Amrum weiden Schafe, aber eine große Herde, die das ganze Jahr über die Insel zieht, gibt es nicht. 2020 brachte die Schäferin Janine „Nine“ Jochimsen vom Lupohof in Struckum zum ersten Mal ihre Herde für den Sommer auf die Insel. Weiße Gehörnte Heidschnucken, Skudden und Bentheimer Landschafe pflegten die Heide, kräftigere Mischlinge grasten an den Deichen. Den Winter verbrachten die Tiere auf dem Festland. Ab der Pflegesaison 2022/23 übernahmen nach Angaben der Naturschutzkoordination Pferde, vor allem Islandpferde, die Heidebeweidung. Seit Herbst 2025 halten außerdem Galloway-Rinder die Dünentäler bei Wittdün offen. Schafe begegnen dir trotzdem, auf Wiesen, an Deichen und im Juni bei den Amrumer Lammtagen in Norddorf. Für alle Weidetiere gilt dasselbe: Hund an die Leine, nicht füttern, Abstand zum Zaun.

Schaf auf dem Teerdeich in Norddorf auf Amrum

Warum Amrum Weidetiere braucht

Die Heide auf der Amrumer Geest gehört zu den ältesten Kulturlandschaften Schleswig-Holsteins. Heute sind es nach Angaben der AmrumTouristik rund 65 Hektar zwischen Wittdün und Norddorf, östlich des Waldes, dazu Heide in den Dünen. Um 1900 waren es noch etwa 400 Hektar. Im Mittelalter bedeckte sie den ganzen Geestkern, die Insel war damals nahezu baumlos.

Dass die Heide so lange offen blieb, lag an ihrer Nutzung. Die Amrumer banden aus der Besenheide Besen, streuten sie in die Ställe und verfeuerten sie. Nach einer Ernte dauerte es rund 30 Jahre, bis wieder genug Brennmaterial nachgewachsen war. So entstand ein Mosaik aus jungen und alten Flächen. Diese Nutzung gibt es nicht mehr, und ohne sie altert die Heide, vergrast und wächst zu. Spätblühende Traubenkirsche, Birke, Kiefer, Brombeere und Kartoffelrose breiten sich aus, am Ende steht Wald.

Gepflegt wird deshalb mit Maschinen und von Hand. Beim Entkusseln werden Gehölze samt Wurzeln entfernt, beim Plaggen wird auf kleinen Flächen die vergraste Oberschicht abgetragen. Ein Reetdachdecker mäht Teile der Heide, das Mahdgut dient als Firstmaterial für Reetdächer. Die Beweidung ergänzt diese Arbeit. Die Tiere fressen Gras und junge Triebe, ihr Tritt öffnet den Boden, auf dem neue Heidepflanzen keimen. Wie sich das auszahlt, zeigt sich im Spätsommer, wenn die Flächen blühen. Wann und wo das am schönsten ist, beschreibt unser Beitrag zur Heideblüte auf Amrum.

Für die Artenvielfalt lohnt der Aufwand. In einer Heidelandschaft wie dieser können nach einem Bericht von AmrumNews rund 150 Käferarten leben, 17 davon stehen als vom Aussterben bedroht auf den Roten Listen. Die Amrumer Heide ist als geschütztes Biotop ausgewiesen. Welche Pflanzen in Heide, Dünen und Salzwiesen zusammenleben, zeigt unser Überblick zur Pflanzenwelt von Amrum.

Die Inselschafe vom Lupohof

Die Idee, Schafe für die Heide einzusetzen, ist auf Amrum nicht neu. Schon 2014 suchte der Öömrang Ferian Flächen für eine Wanderherde, damals waren Norwegerschafe im Gespräch. Umgesetzt wurde die Schafbeweidung ab 2020 mit einer Schäferin aus Nordfriesland.

Janine Jochimsen, die alle Nine nennen, hatte ihre Ausbildung beim Schäfer Wilhelm Hecker gemacht und im Juni 2020 die Prüfung bestanden. Im Juli 2020 kamen nach einem Bericht von AmrumNews 49 Mutterschafe mit ihren Lämmern auf die Insel und grasten zunächst am Norddorfer Deich. Im Herbst folgte ein Pilotprojekt in der Heide, das das Naturzentrum Amrum geplant hatte. Die Kirchengemeinde verpachtete dafür rund acht Hektar Heide, die vorher gemäht und geplaggt worden war.

Im April 2021 kehrte die Herde zur zweiten Saison zurück. Die heideerprobten Rassen, also Weiße Gehörnte Heidschnucken, Skudden und Bentheimer Landschafe, weideten auf der Heide. Mischlinge aus Swifter und Suffolk waren für den Küstenschutz eingeplant, unter anderem am Deich in Norddorf. Die Arbeit mit der Herde übernahmen drei Border Collies. Den Winter verbrachten die Schafe im Stall auf dem Lupohof in Struckum, dort kamen auch die Lämmer zur Welt. 2022 pflegten Schafe vom Lupohof die Deiche in Steenodde und Norddorf.

Ganz ohne Ärger lief das nicht. Mehrfach wurden Pferche geöffnet und Weidezäune abgeschaltet, Schafe liefen auf die Landesstraße. 2022 wurden Deichschafe von freilaufenden Hunden gebissen. Die Schäferin bat deshalb immer wieder darum, Hunde in der Nähe der Herde anzuleinen.

Heidschnucke, Skudde, Bentheimer: Die Rassen im Porträt

Alle drei Rassen, die auf Amrums Heide standen, sind alte deutsche Landschafrassen und werden in der Roten Liste der einheimischen Nutztierrassen geführt. Die Rassebeschreibungen der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ordnen die Weiße Gehörnte Heidschnucke als Erhaltungspopulation ein, Skudde und Bentheimer Landschaf als Beobachtungspopulation.

Die Weiße Gehörnte Heidschnucke gehört zu den kurzschwänzigen nordischen Heideschafen. Ihr Vlies ist rein weiß und mischwollig, Kopf und Beine sind unbewollt. Böcke tragen schneckenförmige Hörner, Mutterschafe sichelförmige. Mutterschafe wiegen 40 bis 50 Kilo. Die Rasse gilt als genügsam und eignet sich besonders für Heide- und Moorflächen. Mit der bekannteren Grauen Gehörnten Heidschnucke aus der Lüneburger Heide ist sie verwandt, aber eine eigene Rasse.

Die Skudde ist die kleinste deutsche Schafrasse. Sie stammt aus Ostpreußen und dem Baltikum, Mutterschafe wiegen nur 30 bis 40 Kilo. Böcke haben große Schneckenhörner, Mutterschafe sind hornlos oder tragen kleine Hörner. Weil sie auf mageren Standorten zurechtkommt, wird die Skudde gern in der Landschaftspflege eingesetzt.

Das Bentheimer Landschaf kommt aus Niedersachsen und entstand aus Marsch- und Heideschafen. Es ist großrahmig, hochbeinig und hornlos, auffällig sind die schwarzen Abzeichen um die Augen und die dunklen Ohrspitzen. Das Zuchtziel beschreibt ein anspruchsloses, marschfähiges Landschaf.

Schafe auf Amrum

Wer heute auf Heide und Dünen weidet

Im März 2023 berichtete die Naturschutzkoordination der AmrumTouristik, dass statt Schafen nun Pferde die Heidebeweidung übernehmen, vor allem Islandpferde. Die Methode wurde damals neu erprobt. Sie sollen das Gras zurückdrängen und durch ihren Tritt mehr Struktur in die Flächen bringen. Im Herbst 2024 wurde ein großes Heidestück zwischen Nebel und Norddorf beweidet, eine weitere Fläche westlich des Tanenwais in Nebel.

Im Spätsommer 2025 grasten dann Galloways auf der Heide. Im November 2025 zog eine kleine Herde, damals sieben Tiere, zusätzlich in die Dünentäler bei Wittdün zwischen den beiden dortigen Campingplätzen. Betreut werden die robusten Rinder vom Landwirt Oke Martinen. Bagger hatten zuvor Gehölze entfernt und Senken vertieft, damit sich im Frühjahr wieder Wasser sammelt. Das Ziel ist vor allem die Kreuzkröte, die zum Laichen flache, zeitweise wasserführende Dünentäler braucht. Die Rinder fressen nachwachsende Gehölze und sollen so verhindern, dass die Täler wieder zuwachsen. Wo die Campingplätze in Wittdün liegen, steht in unserem Beitrag über Camping auf Amrum.

Das Projekt läuft zunächst fünf Jahre. Beweidet wird nur zwischen Mitte August und Anfang April, spätestens am 1. April müssen die Rinder wegen der Brutzeit der Möwen die Fläche verlassen. Die Tiere werden täglich kontrolliert, aber nicht zugefüttert, damit keine Nährstoffe in die mageren Dünen gelangen. Die erste Weidesaison endete mit dem Wintereinbruch im Januar 2026. Seit Mitte August 2026 stehen die Galloways nach Angaben der Naturschutzkoordination wieder in den Wittdüner Dünen, diesmal acht Rinder und ein Bulle auf rund 30 Hektar.

Und die Schafe? Im September 2024 standen nach einem Bericht von AmrumNews nur noch die Tiere eines einzelnen Schäfers auf der Insel, auf Wiesen nahe Yachthafen und Bauhof in Wittdün. Wegen der Blauzungenkrankheit, die von Gnitzen übertragen wird, waren damals in Schleswig-Holstein knapp 100 Kilometer Landesschutzdeiche gesperrt. Der Deich in der Norddorfer Marsch war zu diesem Zeitpunkt wieder freigegeben. Ob und wo in einer Saison Schafe an Amrums Deichen stehen, wechselt also von Jahr zu Jahr.

So verhältst du dich bei Schafen, Rindern und Weidezäunen

Weidetiere sind auf Amrum Arbeitstiere, keine Streichelzoo-Bewohner. Ein paar Regeln helfen ihnen und dir.

Leine deinen Hund an, sobald Schafe oder Rinder in Sicht sind, auch wenn er sonst gut hört. Ein Hund, der in eine Herde läuft, kann Tiere in Panik versetzen, Schafe verletzen sich dabei oder sterben an den Folgen. Die AmrumTouristik bittet ohnehin, Hunde von März bis September an der Leine zu führen, weil dann Brut- und Setzzeit ist. Welche Strände und Wege mit Hund gut funktionieren, steht in unserem Beitrag zu Hundeurlaub auf Amrum mit Stränden und Routen.

Füttere die Tiere nicht und locke sie nicht an den Zaun. Brot und Essensreste schaden ihnen, im Fall der Galloways weist die Naturschutzkoordination ausdrücklich darauf hin. Halte Abstand zu Weidezäunen, viele führen Strom. Lass Tore, Pferche und Weidezaungeräte so, wie du sie vorfindest, und betritt eingezäunte Flächen nicht. In den Dünen bei Wittdün ist das Betreten aus Naturschutzgründen ohnehin verboten, die Wege bleiben aber offen.

Stehen Schafe oder Rinder auf der Straße oder wirkt ein Tier verletzt, informiere die Polizei oder die Naturschutzkoordination der AmrumTouristik. Selbst einfangen solltest du die Tiere nicht.

Schafe erleben: Lammtage und Heidepflege zum Mitmachen

Wer Schafe aus der Nähe sehen möchte, plant seinen Urlaub um die Amrumer Lammtage im Juni. 2026 begann das Fest am 13. Juni auf der Hüttmannwiese im Ortskern von Norddorf. Es gab Lammgerichte an Ständen, ein Gatter mit Schafen und Lämmern zum Anschauen und Streicheln und eine Schurvorführung. Ein Schafhalter aus Föhr zeigte, wie ein Schaf geschoren wird, und erklärte, was danach mit der Wolle passiert. Dazu kamen Oldtimer-Traktoren, ein Kinderprogramm und ein Auftritt der Amrumer Kinder- und Jugendtrachtengruppe. Den Termin für 2027 findest du im Veranstaltungskalender der AmrumTouristik. Was Norddorf sonst ausmacht, steht in unserem Porträt von Norddorf auf der Nordseeinsel Amrum.

Die Heide selbst erlebst du am besten zu Fuß, etwa rund um die Vogelkoje Meeram zwischen Nebel und Norddorf, an der Aussichtsdüne bei Süddorf oder in den Dünen südlich des Leuchtturms. Die Hauptblüte liegt zwischen Mitte August und September. Passende Strecken haben wir in unserem Beitrag über die schönsten Wanderrouten auf Amrum gesammelt.

Wer selbst Hand anlegen möchte, kann bei der Heidepflege helfen. Die Naturschutzkoordination lädt regelmäßig zu Aktionen ein, bei denen Freiwillige von Hand in der Heide arbeiten. 2025 traf man sich zum Beispiel im August am Picknickplatz am Tanenwai in Nebel. Aktuelle Termine gibt es bei der AmrumTouristik.

Wohnen zwischen Heide und Deich

Wer morgens als Erstes nachsehen möchte, wer gerade auf der Heide steht, wohnt in Nebel am Tanenwai, westlich davon wurde 2024 eine Heidefläche beweidet. Das freistehende Friesenhaus „Waastwinji“ liegt dort am Waldrand auf einem großen Grundstück mit Garten und Terrasse und bietet Platz für bis zu sechs Personen. Mit Hund passt die Ferienwohnung „Brombelbei“ im reetgedeckten Hüs Sanskiin am Waasterstigh, dort sind bis zu zwei Haustiere erlaubt, und vom großen Garten geht der Blick über die Felder. Für die Lammtage im Juni ist Norddorf der kürzeste Weg. Die Ferienwohnung „Frisia 6“ bietet dort im Parterre Platz für bis zu fünf Personen, mit Terrasse, Strandkorb und kurzen Wegen zu Einkauf und Restaurants.

FAQ — Häufige Fragen zu Schafen auf Amrum

Gibt es auf Amrum Schafe?

Ja, aber keine dauerhafte große Herde. Wie viele Schafe in einer Saison auf der Insel stehen und wo, wechselt von Jahr zu Jahr.

Wer brachte die Heidschnucken nach Amrum?

Die Schäferin Janine „Nine“ Jochimsen vom Lupohof in Struckum, ab 2020 jeweils für die Sommersaison.

Welche Schafrassen standen auf der Amrumer Heide?

Weiße Gehörnte Heidschnucken, Skudden und Bentheimer Landschafe. Für die Deiche waren Swifter- und Suffolk-Mischlinge vorgesehen.

Weiden heute noch Schafe auf der Heide?

Nach den letzten Berichten der Naturschutzkoordination nicht. Ab der Saison 2022/23 übernahmen Pferde, vor allem Islandpferde, die Beweidung, seit 2025 kommen Galloway-Rinder dazu.

Was machen die Galloways in den Dünen bei Wittdün?

Sie halten die feuchten Dünentäler offen, in denen die Kreuzkröte laicht. Beweidet wird von Mitte August bis Anfang April.

Warum wird die Heide überhaupt beweidet?

Ohne Nutzung vergrast und verbuscht die Heide und wird langfristig zu Wald. Beweidung, Mahd und Plaggen halten sie jung und artenreich.

Wie groß ist die Amrumer Heide?

Rund 65 Hektar auf der Geest zwischen Wittdün und Norddorf, dazu Heideflächen in den Dünen. Um 1900 waren es etwa 400 Hektar.

Was ist eine Skudde?

Die kleinste deutsche Schafrasse, ursprünglich aus Ostpreußen und dem Baltikum. Sie kommt mit mageren Flächen gut zurecht.

Muss mein Hund bei Schafen an die Leine?

Ja. In der Nähe von Weidetieren gehört der Hund immer an die Leine, auf Amrum gilt das wegen der Brutzeit ohnehin von März bis September.

Darf ich die Tiere füttern oder streicheln?

Nein. Nicht füttern, nicht an den Zaun locken und eingezäunte Flächen nicht betreten. Streicheln kannst du Schafe bei den Lammtagen im Gatter.

Wann finden die Amrumer Lammtage statt?

Im Juni in Norddorf. 2026 begann das Fest am 13. Juni auf der Hüttmannwiese, der Termin für 2027 steht im Kalender der AmrumTouristik.

Weidetiere als Landschaftspfleger

Ob Heidschnucke, Islandpferd oder Galloway: Auf Amrum stehen die Tiere nicht für das Postkartenmotiv auf der Weide, sondern weil sie Heide, Dünen und Deiche offen halten. Wer das weiß, sieht beim nächsten Spaziergang zwischen Nebel und Norddorf genauer hin und nimmt den Hund an die kurze Leine, bevor die Herde in Sicht kommt.

Auf www.amrum-appartements.de findest du Ferienwohnungen und Ferienhäuser in Wittdün, Süddorf, Nebel und Norddorf, viele davon nah an Heide, Wald und Wattseite.