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Küstenschutz auf Amrum: Deiche, Dünen und Kniepsand

Wie Amrum gegen Sturmfluten und Abbruch geschützt wird: Kniepsand, Dünenschutz, Regionaldeiche, Deckwerke in Wittdün und Lahnungen an der Wattseite.

Amrum wird zum größten Teil von der Natur selbst geschützt. An der Westseite liegt der Kniepsand vor der Insel, dahinter folgen Dünenketten, die bis rund 30 Meter hoch sind und den eiszeitlichen Inselkern sichern. Gebaut wurde vor allem dort, wo die Insel niedrig ist oder bebaut. Zwei Regionaldeiche schützen die Marschen bei Wittdün und Norddorf, in Wittdün sichern eine Ufermauer und mehrere Deckwerke den Ort, und an der Wattseite vor Nebel und Norddorf halten Lahnungsfelder das Ufer. Landesschutzdeiche wie an der Festlandküste gibt es auf Amrum nicht, und regelmäßige Sandvorspülungen wie auf Sylt bisher auch nicht. Zuständig ist der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH). Laut Generalplan Küstenschutz gelten rund 12 der knapp 29 Quadratkilometer Inselfläche, den Kniepsand eingerechnet, als potenziell überflutungsgefährdet.

Küstenschutz auf Amrum

Warum der Kniepsand der wichtigste Küstenschützer ist

In einem Plan für die Schutzbauten an der schleswigschen Westküste hieß es schon 1873, Amrum brauche keine außergewöhnlichen Bauwerke gegen das Meer, weil der Kniepsand genug Schutz biete. An diesem Grundgedanken hat sich bis heute wenig geändert. Die riesige Sandfläche nimmt die Wellen bei Sturm auf, bevor sie die Dünen erreichen, und liefert gleichzeitig den Sand, aus dem neue Vordünen wachsen.

Der Kniepsand ist erst in den letzten Jahrhunderten entstanden. Laut Fachplan Küstenschutz Amrum geht er auf eine frühere Sandbank vor der Küste zurück, die nach und nach auf die Insel zugewandert ist. Seine Oberfläche lag bei der im Fachplan genannten Vermessung von 2002 höher als 1,75 Meter über Normalnull, überspült wird er deshalb nur bei Sturmfluten. Wie mächtig der Sandnachschub ist, zeigt ein Beispiel aus Norddorf: Der Kniephafen, Anfang des 20. Jahrhunderts westlich des Dorfes gelegen, versandete innerhalb weniger Jahrzehnte vollständig und wurde Ende der 1930er Jahre aufgegeben.

Dauerhaft fest ist der Kniepsand trotzdem nicht. Im Westen wird er abgetragen, östlich der Hochwasserlinie bauen sich neue Dünen auf, und im Südosten vor Wittdün lagert sich Sand ab. Die Nordspitze dagegen verliert ab Höhe des Norddorfer Hauptstrandes an Substanz, weil der Sand des Kniepsandes dort nicht mehr ankommt. Was den Strand für Badegäste ausmacht, erklärt unser Beitrag zum Kniepsand vor Amrum.

Welche Deiche gibt es auf Amrum?

Wer an Deiche denkt, hat meist die hohen grünen Landesschutzdeiche vom Festland vor Augen. Auf Amrum stehen stattdessen Regionaldeiche, früher Überlaufdeiche genannt. Sie schützen ein Gebiet vor Sturmfluten, nehmen dabei aber begrenzte Überflutungen in Kauf. Ihr Schutzstandard liegt also bewusst unter dem eines Landesschutzdeichs. Das Land Schleswig-Holstein hat beide Deiche 1991 in seine Unterhaltung übernommen, vorher waren örtliche Deich- und Sielverbände zuständig.

Der Deich der Wittdüner Marsch zwischen Wittdün und Steenodde ist laut Generalplan Küstenschutz 1,6 Kilometer lang und hat eine mittlere Kronenhöhe von etwa 5,1 Metern über Normalhöhennull. Gebaut wurde er von 1933 bis 1935 vom Freiwilligen Arbeitsdienst, zeitweise arbeiteten 150 Männer an der Baustelle. Schon bei den Sturmfluten im Oktober 1936 konnte ein Bruch nur mit Hilfe der Feuerwehr knapp verhindert werden. Am 17. Februar 1962 brach er dann. Heute schützt er rund 97 Hektar Niederung, in der etwa 130 Menschen leben. Der Fachplan empfiehlt, ihn zu verstärken. Weil es auf der Insel keinen geeigneten Kleiboden gibt und der Transport vom Festland zu teuer wäre, schlägt er eine befestigte Abdeckung vor.

Der Deich der Norddorfer Marsch entstand 1933, ebenfalls mit Hilfe des Arbeitsdienstes. Bei der Februarflut 1962 brach er auf rund 300 Metern und wurde völlig zerstört. Beim Wiederaufbau 1962 und 1963 bekam er eine Asphaltdecke und eine Krone auf fünf Metern über Normalhöhennull. Im Inselfaltblatt der Nationalparkverwaltung heißt er deshalb schlicht „Norddorfer Teerdeich“. Die Lahnungsfelder davor haben seither viel neues Vorland aufgebaut. Mehr über das Dorf hinter dem Deich steht in unserem Porträt von Norddorf auf Amrum.

Der dritte Deich ist kaum noch zu sehen. Bei der Sturmflut im Februar 1825 riss vor Norddorf die Dünenkette auf, die Lücke bei Risum war 1885 bereits rund 560 Meter lang. Erst ein Überlaufdeich aus den Jahren 1914 bis 1917 schloss sie. Inzwischen haben sich davor neue Dünen gebildet, und der Deich ist, wie ein weiterer bei Gäärsdeel, vollständig übersandet.

Ufermauer, Deckwerke und Buhnen in Wittdün

Wittdün ist der jüngste Ort der Insel. Er wurde 1890 auf einem Nehrungshaken am Südrand der Geest gegründet, also auf beweglichem Sand. Entsprechend früh begann hier der feste Uferschutz. Die Ufermauer an der Nordseite des Ortes wurde 1921 bis 1923 auf gut 258 Metern Länge gebaut. Schwere Sturmfluten im Herbst 1973 rissen über weite Strecken die oberen Schichten des Verblendmauerwerks los.

Im Herbst 2008 hat der LKN.SH die alte Mauer vollständig mit einem neuen Deckwerk überbaut. Dafür wurde Schotter mit einem Polyurethan-Kleber vermischt und in einer mehr als 20 Zentimeter starken Schicht eingebaut, die Oberkante liegt etwas höher als die der alten Mauer. Anschließend hat die Gemeinde den Plattenweg obenauf neu verlegt. Rund um den Ort sichern weitere Deckwerke im Süden, Südwesten, Südosten und Osten das Ufer, an mehreren Stellen ergänzt durch Buhnen vor den Längswerken. Solche harten Bauwerke setzt das Land laut Generalplan nur dort ein, wo Siedlungen oder wichtige Infrastruktur sonst durch Abbruch gefährdet wären.

Tetrapoden, die bekannten Betonkörper vor Hörnum auf Sylt, tauchen im Anlagenverzeichnis für Amrum nicht auf. Die Insel kommt bislang mit Deckwerken, Buhnen, Lahnungen und viel Sand aus. Was Wittdün abseits der Uferbauten zu bieten hat, zeigt unser Ortsporträt Wittdün auf der Nordseeinsel Amrum.

Lahnungen, Wälle und das Steenodder Kliff an der Wattseite

Die Ostseite Amrums ist rund zwölf Kilometer lang und liegt im Schutz des Wattenmeers. Trotzdem überwiegt hier der Abtrag. Gegen ihn helfen Lahnungen. Das sind Doppelreihen aus Holzpfählen, zwischen die Buschwerk gepackt wird. Sie bremsen die Strömung, sodass sich Schlick in den Feldern dazwischen absetzen kann und neues Vorland entsteht. Vor Nebel stehen Lahnungen auf fast 2,5 Kilometern, vor dem Norddorfer Deich seit 1951. Weitere Felder gibt es bei Annlunn und Burg. Damit sie wirken, müssen sie regelmäßig nachgepackt werden, denn Eis, Wellen und Zeit setzen dem Busch zu.

In Nebel schützen sich manche Häuser seit Langem selbst. Teile der Bebauung liegen hinter privaten Wällen und Friesenwällen, die im Schnitt knapp 4,5 Meter über Normalnull erreichen. Der Fachplan hält eine Erhöhung für sinnvoll, sobald neue Messdaten die Berechnungen bestätigen.

Am Steenodder Kliff kannst du Küstenerosion direkt beobachten. Auf rund einem Kilometer Länge bricht hier die Geest ab und weicht langsam landeinwärts zurück, oder wie es die Nationalparkverwaltung formuliert, die Nordsee nagt sichtbar am Geestkern der Insel. Bewusst verzichtet der Fachplan darauf, die Abbruchkante selbst zu befestigen, damit das aktive Kliff erhalten bleibt. Gesichert werden sollen nur die Flanken, mit Schüttungen aus Kies und Geröll. Wie der kleine Hafenort an der Wattseite heute aussieht, beschreibt unser Beitrag zu Steenodde auf Amrum.

Dünenschutz: vom Halmverbot bis zum Sandfangzaun

Lange war auf Amrum nicht das Meer das größte Problem, sondern der wandernde Sand. Flugsand bedeckte Äcker und bedrohte Häuser. Schon 1696 wurde auf der Insel eine Verordnung verlesen, die das Abschneiden von Strandhafer verbot, denn die Pflanze hält mit ihren Wurzeln die Dünen fest. Weil sich viele nicht daran hielten, wurde das Verbot wiederholt und verschärft. 1783 gründeten Norddorfer eine Genossenschaft zur Hemmung des Sandfluges, ab 1800/01 begann die systematische Bepflanzung.

Später kamen Sandfangzäune dazu. Sie bremsen den Wind, der Sand fällt hinter ihnen aus, und mit der Zeit wächst eine neue Düne, die dann bepflanzt werden kann. Solche biotechnischen Maßnahmen laufen bis heute, unter anderem auf rund 3,8 Kilometern an der Westseite der Amrumer Odde. Der Fachplan sagt dazu ehrlich, dass sie Dünenverluste nur begrenzen und nicht verhindern können. Ob neue Vordünen entstehen, hängt am Ende davon ab, wie viel Sand der Kniepsand liefert.

Welche Pflanzen in den Dünen, in der Heide und in den Salzwiesen wachsen, stellt unser Beitrag zur Pflanzenwelt auf Amrum vor.

Für dich als Gast ist die wichtigste Regel einfach. Bleib in den Dünen auf den Wegen und Bohlenstegen. Jeder neue Trampelpfad zerstört Pflanzen, und an solchen Stellen setzt der Wind an. Auch die Nationalparkverwaltung bittet darum, auf den Wegen zu bleiben und Brut- und Rastgebiete zu beachten.

Wer zuständig ist und was der Klimawandel ändert

Die Zuständigkeiten regelt das Landeswassergesetz. Für die Deiche und die Deckwerke in Wittdün ist das Land zuständig, umgesetzt vom LKN.SH mit Sitz in Husum. Mehrere Lahnungsfelder an der Wattseite unterhalten die Gemeinden, und die Wälle in Nebel sind zum Teil private Anlagen. Den Hauptteil der Investitionen finanziert die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“, bei staatlichen Baumaßnahmen trägt der Bund 70 Prozent und das Land 30 Prozent. Die Instandhaltung der Küstenschutzanlagen bezahlt das Land allein. Von 2012 bis 2021 flossen in Schleswig-Holstein laut Generalplan rund 740 Millionen Euro in den Küstenschutz, aus Mitteln von EU, Bund und Land.

Der Klimawandel ist im Fachplan fest eingeplant. Für die Regionaldeiche auf Amrum setzt er einen Bemessungswasserstand für das Jahr 2100 von 4,85 Metern über Normalhöhennull an, darin steckt ein Zuschlag von einem halben Meter für den steigenden Meeresspiegel. Zum Vergleich: Den höchsten Wasserstand in der vom Fachplan ausgewerteten Messreihe des Pegels Wittdün brachte die Sturmflut vom 17. Februar 1962 mit 4,14 Metern über Normalhöhennull.

Sandvorspülungen, wie sie vor Föhr seit 1963 und vor Sylt seit 1972 stattfinden, hält der Fachplan auf Amrum für weniger nötig als auf den Nachbarinseln. Er empfiehlt aber, geeignete Sandvorkommen westlich der Insel zu erkunden, um im Bedarfsfall vorbereitet zu sein. Dazu gehört ein Messprogramm. Strandprofile am Kniepsand und an der Odde sollen alle zwei Jahre vermessen werden, Watt und Vorstrand in größeren Abständen per Echolot und Laserscan.

Küstenschutz unterwegs entdecken

Vieles von dem, was die Insel schützt, siehst du bei einem Spaziergang. Zwischen Wittdün und Steenodde läuft ein Weg über die Deichkrone, mit Blick auf die Deckwerke am Fuß des Deiches und weit über das Watt nach Föhr. Am Steenodder Kliff erkennst du an der frischen Abbruchkante, wie das Wasser an der Geest arbeitet. Bei Nebel führt ein Naturpfad mit Infotafeln durch die Salzwiesen am Watt, und vom Norddorfer Teerdeich aus lassen sich laut Nationalparkverwaltung im Frühjahr und Herbst große Schwärme rastender Watvögel beobachten.

Auf der Westseite zeigen dir die Sandfangzäune in den Vordünen, wo gerade neue Dünen wachsen. Naturpfade durch die Dünen gibt es bei Wittdün am Wriakhörnsee und bei Norddorf. Wer daraus eine längere Tour machen möchte, findet Vorschläge in unserem Beitrag mit den schönsten Wanderrouten auf Amrum.

Bei Sturm gilt dagegen Abstand. Deckwerke und Buhnen sind bei Wellenschlag rutschig und gefährlich, und im Watt hat bei auflaufendem Wasser niemand etwas zu suchen.

Mit Blick auf Strand und Dünen wohnen

Wer die Wirkung des Kniepsandes jeden Tag vor Augen haben möchte, wohnt in Wittdün nah am Strand. Die Ferienwohnung „Alpenstrandläufer“ im Haus Südspitze 17 liegt im zweiten Stock, rund 100 Meter vom Sandstrand, mit Meerblick und Platz für bis zu vier Personen. Mehr Raum bietet die Ferienwohnung „Weiße Düne 5“ in der Inselstraße mit 93 Quadratmetern, überdachter Terrasse und Blick auf Meer und Strand. Ein Aufzug führt ins Haus. Wer lieber die ruhigere Wattseite im Norden erkunden möchte, wohnt zu zweit in der Ferienwohnung „Reethuk“ in Norddorf, mit Terrasse und Garten.

FAQ — Häufige Fragen zum Küstenschutz auf Amrum

Wer ist für den Küstenschutz auf Amrum zuständig?

Hauptsächlich das Land Schleswig-Holstein, vertreten durch den LKN.SH in Husum. Einige Lahnungen unterhalten die Gemeinden, manche Wälle in Nebel sind privat.

Hat Amrum einen Deich rund um die Insel?

Nein. Es gibt zwei Regionaldeiche an der Wattseite bei Wittdün und Norddorf sowie einen übersandeten Deich bei Risum. Den Rest der Insel schützen Kniepsand, Dünen, die höher gelegene Geest und in Wittdün mehrere Deckwerke.

Was ist der Unterschied zwischen Regionaldeich und Landesschutzdeich?

Ein Landesschutzdeich soll Überflutungen bei Sturmflut sicher verhindern. Ein Regionaldeich schützt ebenfalls, nimmt aber begrenzte Überflutungen in Kauf und ist niedriger bemessen.

Gibt es auf Amrum Sandvorspülungen?

Regelmäßige Vorspülungen wie auf Sylt und Föhr finden auf Amrum bisher nicht statt. Der natürliche Sandnachschub des Kniepsandes leistet hier einen Großteil der Arbeit.

Gibt es auf Amrum Tetrapoden?

Nein, im Verzeichnis der Küstenschutzanlagen auf Amrum sind keine aufgeführt. Die Betonkörper stehen auf Sylt bei Hörnum.

Was sind Lahnungen?

Reihen aus Holzpfählen mit eingepacktem Busch im Watt. Sie beruhigen die Strömung, damit sich Schlick ablagert und Vorland wächst.

Warum darf man nicht durch die Dünen laufen?

Trampelpfade zerstören den Strandhafer, der den Sand festhält. Wo die Pflanzendecke fehlt, trägt der Wind die Düne ab.

Wann wurden die Deiche auf Amrum gebaut?

Beide Marschdeiche entstanden in den 1930er Jahren, der Deich bei Risum schon 1914 bis 1917. Nach Brüchen 1962 wurden Teile neu aufgebaut.

Was passiert am Steenodder Kliff?

Die Nordsee trägt dort die Geest ab, die Kante weicht langsam zurück. Das Kliff selbst soll aktiv bleiben, nur die Flanken sollen gesichert werden.

Wer bezahlt den Küstenschutz?

Investitionen laufen überwiegend über eine Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Land, bei staatlichen Baumaßnahmen trägt der Bund 70 Prozent und das Land 30 Prozent. Die Instandhaltung finanziert das Land allein.

Wird der Küstenschutz an den Klimawandel angepasst?

Ja. Für die Amrumer Deiche wird mit einem Klimazuschlag von 0,5 Metern bis zum Jahr 2100 gerechnet.

Eine Insel, die auf Sand gebaut ist

Amrum zeigt, wie Küstenschutz aussieht, wenn eine Insel einen breiten Sandpuffer vor der Tür hat. Gebaut wird nur dort, wo Menschen wohnen oder niedriges Land geschützt werden muss, ansonsten arbeiten Kniepsand, Dünen und Strandhafer. Wer das einmal weiß, sieht den Sandfangzaun am Strandübergang und den asphaltierten Deich in Norddorf mit anderen Augen.

Auf www.amrum-appartements.de findest du Ferienwohnungen und Ferienhäuser in Wittdün, Süddorf, Nebel und Norddorf, ob mit Blick auf den Kniepsand oder in Ruhe an der Wattseite.