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Hark Olufs: Vom Amrumer Schiffsjungen zum General

1724 verschleppt, zwölf Jahre später als freier Mann zurück: die Geschichte des Amrumers Hark Olufs und wo du ihr auf der Insel heute begegnest.

Hark Olufs ist der berühmteste Amrumer der Geschichte. Geboren 1708 in Süddorf, geriet er 1724 als Fünfzehnjähriger in die Hände algerischer Korsaren und wurde in Algier als Sklave verkauft. Am Hof des Beys von Constantine stieg er vom Diener zum Befehlshaber der Kavallerie auf, 1735 bekam er seine Freiheit, und im April 1736 stand er wieder auf Amrum. Er heiratete, bekam fünf Kinder, ließ seine Erlebnisse aufschreiben und starb 1754 mit nur 46 Jahren. Sein Grabstein auf dem Friedhof von Nebel erzählt diese Geschichte bis heute in Stein gemeißelt. Wer die Insel besucht, kann ihr an mehreren Orten nachgehen.

Hark Olufs: Vom Amrumer Schiffsjungen zum General

Kindheit in Süddorf

Hark Olufs kam am 17. oder 19. Juli 1708 in Süddorf zur Welt, das damals wie ganz Amrum zum dänischen Königreich gehörte. Sein Grabstein nennt den 19. Juli. Sein Vater war der Kapitän Oluf Jensen, seine Mutter Marret Olufs, geborene Harcken, starb kurz nach seiner Geburt. Heute ist Süddorf ein Ortsteil der Gemeinde Nebel, damals war es eines der alten Inseldörfer.

Für einen Jungen aus einer Seefahrerfamilie war der Weg vorgezeichnet. Im 18. Jahrhundert fuhr ein großer Teil der Amrumer Männer zur See, im Walfang und in der Handelsschifffahrt. 1721, mit dreizehn Jahren, ging Hark als Matrose an Bord der „Hoffnung“, eines der Schiffe seines Vaters. Wie die Seefahrt das Leben auf der Insel damals bestimmte, erklären wir im Beitrag über die Walfänger von Amrum.

Gefangen am 24. März 1724

Im Frühjahr 1724 war die „Hoffnung“ auf dem Weg von Nantes nach Hamburg. Am 24. März, so steht es auf seinem Grabstein, wurde das Schiff von algerischen Kaperern aufgebracht. Hark, sein Cousin Hark Nickelsen, ein weiterer Cousin und die Besatzung wurden nach Algier verschleppt. Die Korsaren der nordafrikanischen Küste lebten zu dieser Zeit zu einem guten Teil von Lösegeldern und vom Verkauf gefangener Seeleute.

Die Familie versuchte, das geforderte Lösegeld aufzubringen. Die Summe war für sie zu hoch, und eine Hilfe aus dem dänischen Sklavenetat, einer Kasse für genau solche Fälle, wurde abgelehnt, weil die „Hoffnung“ unter Hamburger Flagge gefahren war. Als der Vater das Geld schließlich zusammenhatte, wurde damit ein anderer Mann gleichen Namens freigekauft. Hark blieb in Gefangenschaft.

Aufstieg am Hof von Constantine

In Algier wurde Hark auf dem Sklavenmarkt verkauft. Von 1724 bis 1727 oder 1728 diente er als Lakai beim Bey von Constantine, dem Statthalter einer Provinz im Osten des heutigen Algeriens. Er lernte schnell, gewann das Vertrauen seines Herrn und stieg auf. Zunächst wurde er Schatzmeister, auf dem Grabstein steht dafür das Wort „Casnadaje“. Zwischen 1728 und 1732 erhielt er das Kommando über die Leibgarde, 1732 wurde er Agha ed-Deira, Oberbefehlshaber der Kavallerie.

Mit seinem Bey unternahm er eine Pilgerfahrt nach Mekka. Sein Bericht darüber gilt als eines der sehr frühen Zeugnisse eines Europäers über diese Reise. Die Pilgerfahrt, eine Heirat in Algerien und seine genauen Kenntnisse des Islams sprechen dafür, dass er mit großer Wahrscheinlichkeit zum Islam übergetreten ist. Seine Stellung brachte ihn auch in Kämpfe. 1735 nahm er an der Eroberung von Tunis durch die algerische Armee teil.

Freiheit und Heimkehr

Zum Dank für seine Dienste schenkte der Bey ihm am 31. Oktober 1735 die Freiheit. Hark trat die lange Reise nach Norden an und kam am 25. April 1736 wieder auf Amrum an, fast genau zwölf Jahre nach seiner Gefangennahme. Er kehrte als wohlhabender Mann zurück.

Leicht fiel ihm das neue alte Leben nicht. Er war inzwischen Ende zwanzig und hatte seine Jugend in einer Welt verbracht, die auf der Insel niemand kannte. 1737 heiratete er Antje Harken, mit der er einen Sohn und vier Töchter bekam. Zur See fuhr er nie wieder. Stattdessen übernahm er verschiedene Ämter auf der Insel. Vermutlich 1742 empfing ihn der dänische König Christian VI. in Kopenhagen, dem er seine Geschichte erzählte.

Die Autobiografie

1747 erschien seine Lebensbeschreibung auf Dänisch, 1751 folgte die deutsche Übersetzung. Das Buch ist eine wichtige Quelle zur Lage europäischer Gefangener in Nordafrika und zum Leben an einem nordafrikanischen Hof im 18. Jahrhundert. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in der Studie von Martin Rheinheimer, „Der fremde Sohn. Hark Olufs' Wiederkehr aus der Sklaverei“ (Wachholtz, 2001), die wissenschaftliche Aufarbeitung.

Hark Olufs starb am 13. Oktober 1754 in Süddorf. Sein Leben brachte er, wie der Grabstein genau festhält, auf 46 Jahre und 13 Wochen.

Der Grabstein in Nebel

Harks Grabstein steht auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche in Nebel und gehört zu den sogenannten sprechenden Grabsteinen, deren Inschriften ganze Lebensläufe erzählen. Er gilt als eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Insel. Auf der Vorderseite ist oben eine Krone gemeißelt, dahinter kreuzen sich Köcher und Pfeile, eine Fahne, ein Schwert, ein Bogen und eine Trompete, Zeichen seines Lebens im Orient. Ein Spruchband nennt ihn einen „grossen Kriegesheld“, der nun auf dem Amrumer „Christenfeld“ ruht.

Darunter folgt die Kurzbiografie mit allen wichtigen Daten, von der Gefangennahme 1724 bis zu seinem Tod. Auf der Rückseite wendet er sich in Versen an die Lebenden. Er schreibt dort sinngemäß, dass er fast zwölf Jahre in der Sklaverei gehalten wurde, bis Gott ihn befreite, und bittet darum, sich seiner Witwe und seiner Kinder anzunehmen. Mehr über den Friedhof und die anderen Steine steht in unserem Beitrag über die St.-Clemens-Kirche und die sprechenden Grabsteine.

Seit September 2025 sind zehn ausgewählte Grabsteine mit QR-Codes versehen, über die du die Inschriften als Audiodatei hören kannst, auf Deutsch oder auf Öömrang. Dazu gehört auch der Stein seines Vaters Oluf Jensen. Wie die Amrumer Sprache klingt und wo sie heute noch gesprochen wird, erklärt unser Beitrag über Öömrang, das Amrumer Friesisch.

Die Sage vom Wiedergänger

Mit seinem Tod war die Geschichte nicht zu Ende. Bald erzählte man sich auf der Insel, Hark Olufs gehe als Wiedergänger um, zwischen dem Friedhof und seinem Haus. Solche Sagen gibt es auf den nordfriesischen Inseln viele, und sie hängen sich gern an Menschen, deren Leben aus dem Rahmen fiel. Hark Olufs passte in dieses Muster wie kaum ein anderer: ein Mann, der reich aus einer fremden Welt zurückkam und über den die Nachbarn vermutlich mehr redeten, als ihm lieb war. Wer abends durch Süddorf nach Nebel radelt, hat die Sage vielleicht im Hinterkopf.

Wo du Hark Olufs heute begegnest

Die wichtigste Station ist der Grabstein auf dem Friedhof in Nebel. Nimm dir dort Zeit, die Inschrift ist lang, und die Symbole oben lohnen einen genauen Blick. Im Naturzentrum Amrum in Norddorf widmet der Öömrang Ferian ihm einen Teil der Dauerausstellung, neben dem Pottwalskelett und der Geschichte des Walfangs. Was dich dort erwartet, steht im Beitrag über das Naturzentrum Amrum und das Pottwalskelett.

Und natürlich Süddorf selbst, der Ort, an dem er geboren wurde und starb. Das Dorf ist klein, ruhig und hat viele alte Häuser. Wie Süddorf heute aussieht und was du dort unternehmen kannst, liest du in unserem Porträt von Süddorf auf Amrum.

Wer nach dem Besuch weiterlesen möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Neben Rheinheimers Studie gibt es zwei Romane aus dem Jahr 2010, „Der General des Bey“ von Udo Weinbörner und „Heimkehr in die Fremde“ von Anne Kordasch. Der NDR zeigte 2019 die halbstündige Dokumentation „Hark Olufs – Amrumer Abenteurer wider Willen“.

In Harks Dorf wohnen

Wer Harks Geschichte dort erleben möchte, wo sie begann, wohnt am besten in Süddorf. Die Ferienwohnung „Driiwholt“ liegt im Hüs Sanskiin, einem Reetdachhaus von 1867, und hat eine eigene Terrasse sowie Zugang zum großen Gemeinschaftsgarten. Familien finden in der Ferienwohnung „Otto's Hüs“ Platz für vier Personen und einen abgeschlossenen Garten mit Sandkasten. Etwas mehr Raum und eigenen Komfort bietet die Haushälfte „Seestern“ im Heidehüs am Waldrand, mit Kamin, eigener Sauna und Platz für bis zu fünf Personen. Von allen drei Adressen ist der Friedhof in Nebel mit dem Rad schnell erreicht.

FAQ — Häufige Fragen zu Hark Olufs

Wer war Hark Olufs?

Ein Amrumer Seefahrer, der 1724 in algerische Gefangenschaft geriet, am Hof des Beys von Constantine zum Befehlshaber der Kavallerie aufstieg und 1736 als freier Mann nach Amrum zurückkehrte.

Wann und wo wurde Hark Olufs geboren?

Am 17. oder 19. Juli 1708 in Süddorf auf Amrum. Sein Grabstein nennt den 19. Juli.

Wer waren seine Eltern?

Sein Vater war der Kapitän Oluf Jensen. Seine Mutter Marret Olufs, geborene Harcken, starb kurz nach seiner Geburt.

Wie geriet er in Gefangenschaft?

Am 24. März 1724 kaperten algerische Korsaren die „Hoffnung“ auf dem Weg von Nantes nach Hamburg. Hark wurde nach Algier gebracht und dort als Sklave verkauft.

Warum wurde er nicht freigekauft?

Der dänische Sklavenetat lehnte Hilfe ab, weil das Schiff unter Hamburger Flagge fuhr. Als die Familie das Geld selbst beschafft hatte, wurde damit versehentlich ein anderer Mann gleichen Namens freigekauft.

Welche Ämter hatte er in Algerien?

Er war Lakai, dann Schatzmeister, ab 1728 Kommandeur der Leibgarde und ab 1732 Agha ed-Deira, Oberbefehlshaber der Kavallerie des Beys von Constantine.

Wurde Hark Olufs Muslim?

Mit großer Wahrscheinlichkeit ja. Dafür sprechen seine Pilgerfahrt nach Mekka, eine Heirat in Algerien und seine genauen Kenntnisse des Islams.

Wann kehrte er nach Amrum zurück?

Freigelassen wurde er am 31. Oktober 1735, auf Amrum kam er am 25. April 1736 an.

Hatte Hark Olufs eine Familie?

Ja. 1737 heiratete er Antje Harken. Das Paar hatte einen Sohn und vier Töchter.

Gibt es eine Autobiografie?

Ja. Sie erschien 1747 auf Dänisch und 1751 in deutscher Übersetzung.

Wo ist sein Grabstein?

Auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche in Nebel. Er gehört zu den sprechenden Grabsteinen und trägt seine Lebensgeschichte als Inschrift.

Wann starb Hark Olufs?

Am 13. Oktober 1754 in Süddorf, im Alter von 46 Jahren und 13 Wochen.

Eine Geschichte, die bleibt

Hark Olufs' Leben klingt wie ein Abenteuerroman, und doch ist es gut belegt, durch seinen eigenen Bericht, durch Akten und durch einen Grabstein, den du heute noch anfassen kannst. Nimm dir für den Besuch in Nebel und im Naturzentrum einen halben Tag Zeit, dann erschließt sich die Geschichte fast von selbst.

Auf www.amrum-appartements.de findest du Ferienwohnungen in Süddorf, Nebel, Wittdün und Norddorf, von denen aus du den Spuren von Hark Olufs mit dem Rad folgen kannst.