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Schiffswracks vor Amrum: Pallas, Pella und das Watt-Wrack

Pallas 1998, Pella 1964 und das rätselhafte Wrack im Watt: welche Strandungen vor Amrum belegt sind, was davon übrig ist und wo du ihnen heute begegnest.

Vor Amrum sind über die Jahrhunderte Hunderte Schiffe gestrandet, die meisten davon gingen verloren. Das bekannteste Wrack ist die Pallas: Der brennende Holzfrachter lief am 29. Oktober 1998 knapp fünf Seemeilen südwestlich der Insel auf eine Untiefe. Rund 16.000 Seevögel verölten, und Reste des Schiffs liegen bis heute dort draußen. 1964 zerbrach im Rütergat der Erzfrachter Pella, die 25 Seeleute an Bord wurden in einer Sturmnacht gerettet. Im Watt zwischen Föhr und Amrum liegt außerdem ein altes Holzwrack, das als „City of Bedford“ bekannt ist, obwohl dieser Name inzwischen ernsthaft angezweifelt wird. Viele Geschichten, die über Amrumer Strandungen im Umlauf sind, lassen sich nicht belegen. Wir halten uns hier an die Fälle, für die es verlässliche Quellen gibt, und zeigen, wo du ihnen auf der Insel begegnest.

Schiffsreste im Watt

Warum sind vor Amrum so viele Schiffe gestrandet?

Westlich von Amrum ist die Nordsee flach. Sandriffe und Untiefen reichen nach Angaben des Inselchronisten Georg Quedens bis zu zwölf Kilometer vor die Insel. Für Segelschiffe war das bei Westwindstürmen eine Falle: Wer nicht mehr gegen den Wind ankreuzen konnte, wurde auf die Bänke gedrückt. Hinzu kamen Strömungen, die sich mit den Gezeiten umkehren, und Priele, die ihre Lage ständig verändern.

Der Amrumer Leuchtturm wurde am 1. Januar 1875 in Betrieb genommen. Mit ihm und mit besseren Navigationsmethoden nahm die Zahl der Strandungen an der Westseite der Insel deutlich ab. Warum der Turm bis heute ein Orientierungspunkt ist, steht in unserem Beitrag über den Amrumer Leuchtturm als Wahrzeichen.

Für die Insel waren Strandungen lange beides, Unglück und Einnahme. Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte das Bergen gestrandeter Schiffe zu den wichtigen Erwerbsquellen der Amrumer. Wie viele Schiffe es genau waren, weiß niemand. Der im Quedens Verlag erschienene Band „Schiff auf Strand! – Amrumer Strandungsfälle“ spricht von Hunderten und dokumentiert rund zwanzig Fälle im Detail.

Die Pallas: Wie wurde aus einem Brand eine Ölpest?

Die Pallas war ein knapp 150 Meter langer Frachter unter der Flagge der Bahamas, der einer italienischen Reederei gehörte. Sie hatte Schnittholz von Schweden nach Marokko geladen. Am 25. Oktober 1998 brach vor der dänischen Westküste ein Feuer an Bord aus. Die Besatzung wurde bei Sturm per Hubschrauber abgeborgen, ein Seemann kam dabei ums Leben. Das brennende Schiff trieb führerlos nach Süden, mehrere Schleppversuche scheiterten.

Am 29. Oktober lief die Pallas knapp fünf Seemeilen südwestlich von Amrum auf Grund, mitten im Nationalpark. Erst nach etwa einem Monat war der Brand endgültig gelöscht. Rund 200 Tonnen Öl gelangten ins Wasser. Nach Angaben der Schutzstation Wattenmeer verölten etwa 16.000 Vögel, vor allem Eider- und Trauerenten, die direkten Folgekosten lagen bei mehr als 14 Millionen Mark. Warum das Wattenmeer auf solche Unfälle so empfindlich reagiert, erklärt unser Beitrag zum Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer.

Politisch hatte die Havarie lange Folgen. Eine Kommission von Fachleuten, die sogenannte Grobecker-Kommission, legte der Bundesregierung im Februar 2000 Empfehlungen für mehr Sicherheit auf See vor. 2003 nahm in Cuxhaven das Havariekommando seine Arbeit auf, das seitdem bei schweren Schiffsunfällen die Einsatzkräfte von Bund und Küstenländern führt. 2002 erkannte die Internationale Seeschifffahrts-Organisation das Wattenmeer als besonders empfindliches Meeresgebiet an.

Teile des Wracks wurden geborgen, der Rumpf liegt aber bis heute südwestlich der Insel und ist bei Niedrigwasser zu sehen. Die Schutzstation Wattenmeer bezeichnete das Wrack 20 Jahre nach dem Unglück als Mahnmal, das aus dem Amrumer Sand ragt.

Die Pella: Was blieb vom Erzfrachter im Rütergat?

Im Juli 1964 lief der 134 Meter lange Erzfrachter „Pella“ im Rütergat, etwa sieben Seemeilen südwestlich von Amrum, auf Grund. Das Schiff fuhr unter libanesischer Flagge, der griechische Kapitän hoffte, aus eigener Kraft wieder freizukommen. In der Nacht zum 2. August holte der Amrumer Seenotrettungskreuzer BREMEN bei Westnordweststurm in mehr als 30 Anläufen alle 25 Seeleute vom Vorschiff. Als der Letzte an Bord war, brach der Rumpf hinter der Brücke auseinander. Die ganze Rettungsgeschichte erzählen wir im Beitrag über die Seenotretter auf Amrum.

Die beiden Hälften des Frachters trieben auseinander und versanken allmählich im feinen Mahlsand. Ganz harmlos wurden sie damit nicht. Am 16. August 2001 verfingen sich die Netze eines Büsumer Fischkutters in den Wrackteilen, der Kutter kenterte. Die beiden Fischer wurden vom damaligen Amrumer Rettungskreuzer EISWETTE aus ihrer Rettungsinsel geborgen.

Die Vorgeschichte des Schiffes ist erstaunlich bunt. Das Buch „Gestrandet vor Amrum – Die Geschichte der Pella“ von Clas Broder Hansen erzählt laut Verlagsbeschreibung von Geleitzügen im U-Boot-Krieg, griechischen Reedern, einem Kapitän, der über Bord fiel, Gerüchten über Versicherungsbetrug und von Strandräubern und Plünderern, die sich nach der Strandung am Wrack zu schaffen machten.

Das Wrack im Watt: Was ist dran an der „City of Bedford“?

Bei Niedrigwasser steuern geführte Wattwanderungen regelmäßig ein altes Holzwrack an. Es liegt im Watt westlich von Föhr und wurde 1997 dem archäologischen Landesamt gemeldet. Damals ragten verwitterte Spanten auf fast 18 Metern Länge aus dem Boden. Das Holz ist Kiefer, eine Datierung über die Jahresringe gelang deshalb nicht.

Auf der Insel heißt das Wrack „City of Bedford“. Nach mündlicher Überlieferung war ein britischer Schoner dieses Namens mit Salpeter nach Esbjerg in Dänemark unterwegs und kenterte am 2. Februar 1825 im Sturm im Watt. Die ertrunkenen Seeleute sollen auf dem Friedhof von Süderende auf Föhr begraben sein. Belegt ist davon wenig. Clas Broder Hansen, der Autor des Pella-Buchs, ist den Sagen in Archiven nachgegangen und kommt in seinem Buch „Das geheimnisvolle Wrack im Watt zwischen Föhr und Amrum“ zu einem klaren Ergebnis: Eine „City of Bedford“ hat es nie gegeben. Was er stattdessen in den Akten gefunden hat, steht im Buch.

Allein zum Wrack zu laufen, ist keine gute Idee. Die Strecke zwischen den Inseln wird bei auflaufendem Wasser schnell gefährlich, 2025 mussten die Amrumer Seenotretter gleich zweimal Wattwanderer zwischen Amrum und Föhr aus dem auflaufenden Wasser befreien. Mit einer Führung bist du auf der sicheren Seite, und unterwegs erfährst du nebenbei viel über Gezeiten und Wattbewohner. Termine und Tipps zur Ausrüstung findest du im Beitrag zum Wattwandern auf Amrum.

Welche Spuren der Strandungen findest du heute auf Amrum?

Am Ortsrand von Nebel, westlich der Windmühle, liegt der Friedhof der Heimatlosen. Das Land stiftete der damalige Nebeler Strandvogt Kapitän Carl Jessen, angelegt wurde der Friedhof 1905. Zwischen 1906 und 1969 wurden hier 32 Menschen begraben, meist wohl Seeleute, die tot am Kniepsand angespült wurden und nicht identifiziert werden konnten. Schlichte Holzkreuze nennen das Datum des Fundes. Die Kirchengemeinde pflegt den kleinen Friedhof bis heute, Spenden sind willkommen.

Wenige Minuten entfernt erzählen auf dem Friedhof der St.-Clemens-Kirche rund 150 historische Grabsteine aus der Zeit zwischen 1678 und 1858 vom Leben der Amrumer Seefahrer, von Walfang, Handelsfahrt und Tod auf See. Wie du die Steine liest und die Audio-Codes nutzt, steht im Beitrag über die sprechenden Grabsteine von St. Clemens.

Auch ein Wrack aus jüngerer Zeit gehört zur Inselgeschichte: Das deutsche U-Boot U 979 lief auf eine Sandbank südöstlich von Amrum und wurde am 24. Mai 1945, gut zwei Wochen nach Kriegsende, von seiner Besatzung selbst versenkt. Die U-Boot-Datenbank uboat.net vermerkt, dass das Wrack 1991 noch vorhanden war. Verlässliche Angaben zum heutigen Zustand haben wir nicht gefunden.

Am Strand selbst triffst du die Strandungsgeschichte in kleiner Form. Nach Stürmen liegt Treibholz am Flutsaum, manchmal ein Tau oder eine Kiste. Was du davon mitnehmen darfst und was in die Hände von Fundbüro oder Polizei gehört, erklären wir im Beitrag über Bernstein, Muscheln und Treibgut am Strand. Alte Wrackhölzer im Watt bleiben liegen, sie sind Teil einer archäologischen Fundstelle.

Wer das Revier der Wracks vom Wasser aus sehen möchte, findet unter den Bootstouren und Schiffsausflügen ab Amrum Fahrten zu Seehundbänken und Halligen. Ob eine Route in Sichtweite eines Wracks führt, hängt von Tide und Wetter ab, das sagt dir der Anbieter vor Ort. Die genannten Bücher führt Quedens, Foto- und Buchhandel mit eigenem Verlag in der Wittdüner Inselstraße, in seinem Sortiment.

Am Kniep wohnen, mit Strand und Hafen in der Nähe

Wer nach einem Tag mit Wrackgeschichten noch einmal ans Wasser will, wohnt in Wittdün nah am Kniepsand. Das freistehende „Ferienhaus am Kniep“ bietet auf 77 Quadratmetern Platz für bis zu sechs Gäste, mit drei Schlafzimmern, drei Bädern, Terrasse und Garten, der Strand liegt etwa 200 Meter entfernt. Zu zweit oder zu viert mit Hund passt die Ferienwohnung „Strandlöper“ im Huus Heverknob an der Südspitze, im Parterre mit Terrasse und Strandkorb, rund 100 Meter vom Meer. Mit Blick aufs Wasser wohnt eine Familie in der „Weißen Düne 5“, einer 93 Quadratmeter großen Wohnung im ersten Stock mit Meerblick, überdachter Terrasse und Aufzug im Haus.

FAQ — Häufige Fragen zu Schiffswracks vor Amrum

Wie viele Schiffe sind vor Amrum gestrandet?

Eine genaue Zahl gibt es nicht. Über die Jahrhunderte waren es mehrere Hundert, rund zwanzig Fälle sind in einem Buch des Quedens Verlags genau dokumentiert.

Was ist das bekannteste Wrack vor Amrum?

Die Pallas. Der brennende Holzfrachter lief 1998 südwestlich der Insel auf Grund und löste eine Ölpest im Wattenmeer aus.

Kann man das Pallas-Wrack heute noch sehen?

Ja, der Rumpf liegt noch vor der Insel und ragt bei Niedrigwasser heraus. Er liegt allerdings mehrere Seemeilen draußen, nicht am Strand.

Unter welcher Flagge fuhr die Pallas?

Unter der Flagge der Bahamas. Eigentümerin war eine italienische Reederei, die Flagge war aber nicht italienisch.

Gab es bei der Pallas-Havarie Tote?

Ja, ein Besatzungsmitglied starb bei der Evakuierung im Sturm vor der dänischen Küste. Hinzu kamen rund 16.000 verölte Seevögel.

Ist die Pella noch zu sehen?

Nein. Nach Angaben der Seenotretter sind die beiden Rumpfhälften allmählich im Mahlsand versunken. Für Fischernetze können die Wrackteile trotzdem gefährlich werden.

Hieß das Wrack im Watt wirklich „City of Bedford“?

Wahrscheinlich nicht. Der Name stammt aus mündlicher Überlieferung, und der Autor Clas Broder Hansen bestreitet nach Archivrecherchen, dass es dieses Schiff je gab.

Darf ich allein zum Wrack im Watt laufen?

Davon ist dringend abzuraten. Die Strecke zwischen Amrum und Föhr ist nur mit ortskundiger Führung sicher, weil das Wasser schnell zurückkehrt.

Darf ich Holz von einem Wrack mitnehmen?

Nein. Historische Wrackreste gehören zu archäologischen Fundstellen und bleiben liegen, auch einzelne Spanten.

Was ist der Friedhof der Heimatlosen?

Ein kleiner Friedhof in Nebel, auf dem zwischen 1906 und 1969 32 unbekannte Tote aus dem Meer bestattet wurden.

Liegt vor Amrum auch ein U-Boot?

Ja. U 979 lief im Mai 1945 auf eine Sandbank südöstlich der Insel und wurde von der Besatzung versenkt.

Wo finde ich Bücher über Amrumer Strandungen?

Bei Quedens in Wittdün, Foto- und Buchhandel mit Verlag. Dort gibt es etwa „Schiff auf Strand!“ und die Bücher zur Pella und zum Wrack im Watt.

Was das Meer zurücklässt

Die meisten Schiffe, die vor Amrum strandeten, sind längst verloren. Geblieben sind ein paar sichtbare Reste, viele Holzkreuze und eine Menge Geschichten, von denen nicht jede stimmt. Wer die belegten Fälle kennt, schaut bei Westwind anders auf die Brandung am Kniepsand.

Wenn du die Insel selbst erkunden möchtest, findest du auf www.amrum-appartements.de Ferienwohnungen und Ferienhäuser in Wittdün, Süddorf, Nebel und Norddorf, vom Apartment für zwei bis zum Haus für die Familie.