Zum Inhalt springen
Sie haben eine Frage?
+49 (4682) 96 80 515
Öffnungszeiten:

Montag – Samstag:
10:00 Uhr - 12:00 Uhr
14:00 Uhr - 17:00 Uhr

Reetdachhäuser auf Amrum: Bauweise, Pflege, Geschichte

Warum Friesenhäuser auf Amrum so gebaut sind, wie ein Reetdach funktioniert, was es beim Brandschutz zu beachten gilt und wo du die schönsten Häuser siehst.

Wer durch Nebel, Süddorf oder Norddorf spaziert, sieht sie überall: lange, niedrige Häuser mit rotem, oft weiß getünchtem Mauerwerk, farbigen Fensterrahmen und einem dicken Dach aus Reet. Dieser Haustyp heißt uthlandfriesisches Haus und war jahrhundertelang auf den nordfriesischen Inseln, den Halligen und in den Marschen verbreitet. Seine Form ist eine Antwort auf Wind, Wetter und Brandgefahr: Die Häuser stehen meist in Ost-West-Richtung, der Eingang liegt auf der windgeschützten Südseite, und ein spitzer Giebel über der Tür hält im Brandfall das rutschende Reet vom Fluchtweg fern. Ein gut gemachtes Reetdach hält viele Jahrzehnte, braucht aber Pflege und besonderen Brandschutz. Auf Amrum kannst du solche Häuser ansehen, in einem Museum betreten und in manchen sogar Urlaub machen.

Ferienwohnung Seepferdchen in Süddorf auf Amrum

Was ist Reet?

Reet ist getrocknetes Schilfrohr, eine Pflanze, die an Ufern, in Mooren und Marschen wächst. Geerntet wird es im Winter, wenn die Halme trocken sind. Auf dem Dach werden die Halme in Bündeln dicht nebeneinander gelegt und am Dachstuhl befestigt, sodass eine dicke, gleichmäßige Schicht entsteht. Das Material ist leicht, dämmt gut und leitet Regen ab, solange das Dach steil genug ist.

Das Reetdachdecken gehört zu den ältesten Handwerkstechniken beim Hausbau. Schon in der Jungsteinzeit deckten Menschen ihre Häuser mit Schilf. Im Mittelalter verschwand das Reet aus den Städten, weil dicht an dicht stehende Reetdächer bei Bränden zu gefährlich waren. Auf dem Land und an der Küste blieb es dagegen bis heute in Gebrauch. 2014 wurde das Handwerk der Reetdachdeckerei in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Warum Friesenhäuser so aussehen, wie sie aussehen

Das uthlandfriesische Haus ist eine Sonderform des Hauses, das auf dem schleswigschen Festland verbreitet war. Typisch sind das häufig weiß getünchte Mauerwerk aus rotem Ziegel, das Reetdach und Fensterrahmen und Türen in Weiß, Blau oder Grün. Die Häuser erinnern an frühmittelalterliche Langhäuser. Ursprünglich waren Wohnraum und Stall unter einem Dach untergebracht.

Die Ausrichtung ist kein Zufall. Die Häuser stehen entlang einer Ost-West-Achse, damit sie dem meist aus Westen kommenden Wind möglichst wenig Angriffsfläche bieten. Die Eingänge liegen auf der geschützten Südseite. Getragen wird das Dach nicht von den Außenwänden, sondern von einem inneren Holzgerüst, einem Ständerwerk. Wenn ein schwerer Sturm Dach oder Mauern beschädigte, bot dieses Gerüst den Bewohnern noch Schutz.

Besonders auffällig ist der spitze Giebel über der Eingangstür, der fast bis unter den First reicht. Auf dem Festland sind diese Giebel breiter. Beide Formen haben denselben Zweck: Bei einem Feuer soll das brennende Reet nicht vor die Tür rutschen, sondern links und rechts davon herabfallen. So blieb der Rettungsweg frei. Wer die Dörfer mit offenen Augen durchstreift, erkennt dieses Detail an vielen Häusern wieder.

Wie ein Reetdach funktioniert

Damit ein Reetdach dicht bleibt, muss es steil sein, in der Regel mehr als 45 Grad. Dann gleitet jeder Regentropfen von Halm zu Halm nach unten, und nur die oberste Schicht wird nass. Einen großen Dachüberstand von mindestens einem halben Meter gibt es aus demselben Grund: Da keine Regenrinne das Wasser auffängt, tropft es in sicherem Abstand zur Mauer ab.

Traditionell wurden Reetdächer ohne Hinterlüftung gebaut. Heute werden sie auch mit Luftschicht ausgeführt, was die Feuchtigkeit besser abführt. Der First wird je nach Region unterschiedlich gestaltet, in Gegenden mit Heide zum Beispiel mit Heidekraut. Wie lange ein Dach hält, hängt stark von Neigung, Lage, Wetterseite und Qualität des Materials ab. Nordseiten bleiben länger feucht und altern oft schneller als Südseiten, und an windigen Standorten wird das Reet stärker beansprucht. Mehrere Jahrzehnte sind bei guter Ausführung und Pflege üblich, einzelne Bereiche wie der First müssen aber früher nachgebessert werden.

Ferienwohnung Klönschnack in Süddorf auf Amrum

Brandschutz: das große Thema

Trockenes Reet brennt gut, und ein Feuer kann sich auf einem Reetdach schnell ausbreiten. Deshalb gelten für Häuser mit weicher Bedachung besondere Regeln. Das Bauordnungsrecht verlangt je nach Lage bestimmte Abstände zu Nachbargebäuden oder Grundstücksgrenzen oder zusätzliche Schutzmaßnahmen. Schornsteine werden besonders sorgfältig ausgeführt und regelmäßig kontrolliert, Funkenschutz gehört dazu. Viele Eigentümer lassen ihr Reet zusätzlich mit Brandschutzmitteln behandeln oder bauen Schutzschichten unter der Deckung ein.

Für Gäste heißt das vor allem: Vorsicht mit offenem Feuer. Grillen gehört nicht unter den Dachüberstand, Wunderkerzen und Feuerwerk haben in der Nähe von Reetdächern nichts zu suchen, und Zigaretten werden sorgfältig gelöscht. In Ferienwohnungen mit Kamin gilt, was in der Hausbeschreibung steht. Wer sich an diese einfachen Regeln hält, wohnt in einem Reetdachhaus genauso entspannt wie anderswo.

Wo du auf Amrum schöne Reetdachhäuser siehst

Das bekannteste Beispiel ist das Öömrang Hüs in Nebel, ein reetgedecktes Kapitänshaus, das 1683 erstmals erwähnt wird. Heute ist es ein Museum des Öömrang Ferian. Hier kannst du ein Friesenhaus von innen erleben: die niedrige Wohnstube, die Alkovenbetten, in denen man halb sitzend schlief, und die Küche mit der alten Feuerstelle. Mehr dazu steht in unserem Beitrag über das Öömrang Hüs, das Inselmuseum in Nebel.

Rund um die St.-Clemens-Kirche in Nebel liegt eines der schönsten Ensembles der Insel, mit vielen Reetdachhäusern, kleinen Gärten und schmalen Wegen. Wie du Kirche, Friedhof und Ortskern verbindest, beschreibt unser Beitrag über Nebel auf der Nordseeinsel Amrum.

Auch Süddorf hat viele alte Häuser und wirkt ruhiger als die größeren Orte. Ein Spaziergang durch die Straßen lohnt sich, vor allem am Abend, wenn das Licht warm auf die Dächer fällt. Das Porträt von Süddorf auf Amrum zeigt, was das Dorf sonst ausmacht. In Norddorf stehen zahlreiche sorgfältig restaurierte Reetdachhäuser zwischen neueren Gebäuden, und in Steenodde an der Wattseite ist es besonders still.

Denk beim Schauen daran, dass die meisten Häuser bewohnt sind und viele Menschen hier ihren Alltag verbringen. Bewundere sie von der Straße aus, ohne in Fenster oder Gärten zu gehen. Welcher Ort am besten zu deinem Urlaub passt, vergleichen wir im Beitrag Wittdün, Nebel, Norddorf oder Süddorf.

Woran du das Alter eines Reetdachs erkennst

Frisch gedecktes Reet leuchtet hellgelb bis goldbraun. Mit den Jahren wird es dunkler und nimmt einen grauen Ton an, auf schattigen Seiten siedeln sich Moose und Flechten an. Oft sieht man an einem Haus beide Zustände nebeneinander, weil nur eine Dachseite oder der First erneuert wurde. Auch der Blick auf den First lohnt sich, denn hier zeigen sich die Unterschiede zwischen den Handwerksbetrieben und Regionen am deutlichsten. Mit etwas Glück beobachtest du auf Amrum sogar eine Baustelle, auf der Reetdachdecker neue Bündel verlegen. Aus sicherer Entfernung zuzusehen, wie aus losen Halmen eine glatte Dachfläche wird, ist eine kleine Lehrstunde in altem Handwerk.

Ferienwohnung Steuerbord in Süddorf

Urlaub unter Reet

Ein Reetdachhaus hat eine eigene Atmosphäre. Im Sommer bleibt es unter dem dicken Dach angenehm kühl, im Winter hält das Reet die Wärme. Alte Häuser haben oft niedrige Decken, kleine Fenster und verwinkelte Räume, dafür aber viel Charakter. Modernisierte Häuser verbinden diesen Charme mit heutiger Küche und Bad.

Wer ein Reetdach über dem Kopf haben möchte, findet im Portfolio des Amrum Appartement Centrums mehrere passende Adressen. In Süddorf liegt die Ferienwohnung „Driiwholt“ im Hüs Sanskiin, einem Reetdachhaus von 1867, mit eigener Terrasse und großem Gemeinschaftsgarten. Familien wohnen in der Haushälfte „Backbord“ eines reetgedeckten Friesenhauses im Strandweg, mit Platz für bis zu sechs Gäste und kombinierbar mit der Nachbarhälfte. In Norddorf wohnen zwei Personen in der Ferienwohnung „Reethuk“ im reetgedeckten Haus Pesel, mit eigenem Garten und Strandkorb.

FAQ — Häufige Fragen zu Reetdachhäusern auf Amrum

Was ist ein uthlandfriesisches Haus?

Der traditionelle Haustyp der nordfriesischen Inseln, Halligen und Marschen: lang, niedrig, mit Reetdach, oft weiß getünchtem Mauerwerk und einem spitzen Giebel über dem Eingang.

Woraus besteht ein Reetdach?

Aus getrocknetem Schilfrohr, das in Bündeln dicht auf den Dachstuhl gelegt und befestigt wird.

Warum stehen Friesenhäuser in Ost-West-Richtung?

Damit sie dem meist aus Westen kommenden Wind wenig Angriffsfläche bieten. Die Eingänge liegen auf der geschützten Südseite.

Wozu dient der spitze Giebel über der Tür?

Bei einem Brand soll das brennende Reet links und rechts herabfallen und nicht vor den Eingang. So bleibt der Rettungsweg frei.

Wie steil muss ein Reetdach sein?

In der Regel über 45 Grad, damit das Regenwasser von Halm zu Halm abläuft.

Wie lange hält ein Reetdach?

Bei guter Ausführung und Pflege mehrere Jahrzehnte. Lage, Wetterseite und Materialqualität spielen eine große Rolle.

Ist ein Reetdachhaus gefährlich?

Reet ist brennbar, deshalb gelten besondere Brandschutzregeln. Mit Vorsicht bei offenem Feuer und einem gepflegten Schornstein ist das Risiko gut beherrschbar.

Ist das Reetdachdecken ein Kulturerbe?

Ja. Das Handwerk wurde 2014 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.

Kann man ein Friesenhaus auf Amrum von innen besichtigen?

Ja, im Öömrang Hüs in Nebel, einem Kapitänshaus, das heute Museum ist.

Darf ich an Reetdachhäusern grillen?

Nicht unter dem Dachüberstand und nicht in der Nähe des Reets. Feuerwerk und Wunderkerzen gehören ebenfalls nicht in die Nähe von Reetdächern.

Kann ich auf Amrum in einem Reetdachhaus Urlaub machen?

Ja, viele Ferienwohnungen liegen in Reetdachhäusern, zum Beispiel in Süddorf und Norddorf.

Ein Dach, das Geschichten erzählt

Ein Reetdachhaus ist mehr als ein hübsches Fotomotiv. In seiner Form stecken Jahrhunderte Erfahrung mit Wind, Wasser und Feuer. Wer das weiß, sieht die Dörfer auf Amrum mit anderen Augen.

Auf www.amrum-appartements.de findest du Ferienwohnungen und Ferienhäuser in Wittdün, Süddorf, Nebel und Norddorf, darunter mehrere unter echtem Reet.