Kulinarische Genüsse aus der Region Nordfrieslands

Liebhaber der eher deftigen als feinen Küche sind hier in Nordfriesland genau richtig. Neben einigermaßen schwer verdaulichen Kohlspeisen stehen durchaus auch leichte Köstlichkeiten wie Muscheln oder Nordseegarnelen - so werden korrekterweise die umgangssprachlich als Krabben bezeichneten Schalentiere genannt -  Schollen und rote Grütze als Bestandteile auf den Speisekarten der Gaststätten.

Wie hungrig die Seeluft macht werden Sie schnell bemerken, auch wie ausgezeichnet die hiesige nordfriesische Kost und der gesteigerte Appetit zusammenpassen lässt sich rasch feststellen. Reichhaltige Portionen wie Bratkartoffeln inklusive einem schmackhaftem Matjestopf stillen schnell den großen Hunger und dies nachhaltiger als fein angerichtete Häppchen, die zwar nett anzusehen sind, aber nach einem Tag an der frischen Seeluft nicht satt machen.

Besonders empfehlenswert, wenn auch ein nicht gerade als sofort sattmachendes kulinarisches Highlight anzupreisen, sind eigenhändig gepulte Krabben, die Sie sich möglichst direkt im Hafen vom Kutter besorgen sollten. Das Krabbenpulen ist eine Tätigkeit, die gute Fingerfertigkeiten voraussetzt. Die Krabbe wird dabei mit Zeigefinger und Daumen am Kopfende umfasst, während Zeigefinger und Daumen der anderen Hand den Krabbenschwanz hinter der ersten Rille des Panzers so lange hin und her drehen, bis sich deren Hülle leicht abziehen lässt. Der Kopf wird währenddessen weiter festgehalten, mit einer leichten Drehbewegung wird der Krabbenkörper dann nach hinten weggezogen. Fleißiges Üben lohnt sich, denn auch auf den Inseln bezahlen Sie für bereits gepulte Krabben wesentlich mehr als für solche, die ungeschält zu haben sind.

Eine weitere Delikatesse sind die zubereiteten Gerichte vom Salzwiesenlamm. Das besondere Aroma erhält das Fleisch der Salzwiesenlämmer durch den Umstand, dass das Gras, das ihnen zur Ernährung dient, im Winterhalbjahr manchmal vom Meerwasser überflutet wird und somit das Lammfleisch auf besondere Weise durch den Genuss dieses Grases aromatisiert wird. Dass nicht nur das Fleisch des Schafes vermarktet werden kann haben die Inselbauern erst seit einiger Zeit entdeckt: Der nur auf der Insel Föhr zu erwerbende „Föhrer Schafskäse“ ist zum Beispiel eine wahre Köstlichkeit.  In einigen Restaurants gibt es ihn überbacken mit Tomaten und Lauchzwiebeln, ein sehr empfehlenswerter Tipp.

Und auch in Bezug auf Hochprozentiges haben sich die Inselfriesen als Spezialisten geoutet: nach jedem herzhaften Essen sollte ein Schnaps zum Abschluss Pflicht sein. Bei ausgiebigen Feiern gibt es ihn mit Limonade verlängert.

In der kalten Jahreszeit fällt die Wahl besonders schwer: Ob Teepunsch, Rumgrog oder doch lieber einen Pharisäer, der bis weit über die Grenzen Nordfrieslands bekannt geworden ist, die Entscheidung liegt in Ihren Händen.

Das Rezept des Pharisäers ist sowohl der Trinkfreudigkeit als auch dem Einfallsreichtum der Nordfriesen zu verdanken. Dazu gibt es natürlich auch eine entsprechende Anekdote: Ein gestrenger Pastor auf Nordstrand hatte den ihm anvertrauten Schäfchen, sprich seiner Gemeinde, einst das Verbot erteilt, auf Feiern alkoholische Getränke zu kredenzen.

Tatsächlich ging es während der folgenden Tauffeier im Beisein des Pfarrers sehr sittsam zu, nirgendwo war eine Schnapsflasche zu erspähen. Als dennoch nach geraumer Zeit eine große Fröhlichkeit bei den Gästen aufkam, fand der Pfarrer heraus, dass die vermeintlich sittsamen Feierlustigen eine gehörige Portion Rum in ihren Kaffee gemischt hatten, die sie unter einer harmlos wirkenden und den Geruch hemmenden Sahnehaube versteckten. Der empörte Pfarrer rief  schimpfend aus: „Oh, Ihr Pharisäer!“ Seit dem ist der Kaffee mit einem gehörigen Schuss Rum als „Pharisäer“ bekannt. So die Geschichte.

Die Vorliebe der Friesen für Tee ist ebenfalls vergleichsweise jung: vor circa 250 Jahren haben die Seefahrer ihren Daheimgebliebenen Teerezepte aus Holland mitgebracht. Was für die Engländer der fünf-Uhr-Tee, ist für die Nordfriesen ihre Kaffeezeit. Hierzu schmeckt ihnen jedoch nicht nur Kaffee und natürlich auch Tee, auch kalorienträchtiges Backwerk wird hierzu gerne genossen. Wahre Meister sind die insulanen Bäcker bei der Herstellung von Torten, Waffeln und Gebäck. Ob sie sich in einer der Dorfbäckereien oder in einem der  zahlreichen gemütlichen Cafés mit einer der leckeren Naschereien versorgen, das Etikett „eigene Herstellung“ oder „selbst gebacken“ weckt das Verlangen nach verheißungsvollem Kuchengenuss.

Im Großen und Ganzen entspricht die einheimische Küche auf den Inseln der norddeutschen Kochkunst, sie hat sich aber auch den Vorstellungen und Vorlieben der Urlauber und Gäste der Inseln angepasst. Im Gegensatz zur Viehzucht hat die Fischerei auf Amrum und Föhr nie eine wirklich große Rolle gespielt, die Insulaner sind und bleiben mit Leib und Seele Fleischesser. Dennoch haben sich die gastronomischen Betriebe auf die Nordseefisch liebenden Gäste eingestellt. Dieser wird zu einem großen Teil aus Husum oder Flensburg angeliefert.

Bei den Cafés und Restaurants handelt es sich fast immer um Familienbetriebe. Es ist in der Regel sehr schwer, lediglich für die Saison qualitativ gutes Personal zu finden. Wenn es dann dazu kommt dass der Koch oder eine der Servicekräfte kündigt oder erkrankt, sind Engpässe vorprogrammiert, die nicht so rasch zu beseitigen sind.

Während der Vor- oder Nachsaison kann es dann vorkommen, dass manch einer der Betriebe früher schließen muss. Überhaupt sollten Urlauber gerade in dem Bereich, wo die Gästezahlen eher gering sind, nicht allzu hohe Ansprüche stellen. Der gastronomisch einzige Betrieb einer Hallig beispielsweise wird lediglich mit einfacher Kost und geringer Auswahl aufwarten. Amrum und Föhr hingegen werden Sie auf jeden Fall zumindest von Frühling bis Herbst, während der Weihnachts-/Silvesterzeit und zur Biike mit frischen Fischbrötchen bis hin zu köstlichen Menüs verwöhnen.