Zwischen Mai und August bringen die Seehunde im Wattenmeer ihre Jungen zur Welt. In dieser Zeit liegen immer wieder junge Seehunde allein am Strand oder auf einer Sandbank. Viele sind gar nicht verlassen: Die Mutter ist auf Nahrungssuche und kommt zurück, solange niemand stört. Ein Jungtier, das seine Mutter tatsächlich verloren hat, nennt man Heuler. Die wichtigsten Regeln sind einfach: nicht anfassen, Hunde fernhalten, mehrere hundert Meter Abstand halten und den zuständigen Seehundjäger, die Seehundstation Friedrichskoog oder die Polizei informieren. Nur die vom Land bestellten Seehundjäger dürfen einen Heuler bergen. Wer sich daran hält, gibt dem Tier die beste Chance.

Was ist ein Heuler?
Als Heuler bezeichnet man einen jungen Seehund, der von seiner Mutter getrennt wurde und ohne sie nicht überleben kann. Der Name kommt von den Rufen der Jungtiere. Das Heulen ist aber kein Klagen, sondern ein normaler Kontaktlaut, mit dem ein Junges seine Mutter ruft. Ein heulender Seehund ist also nicht automatisch in Not.
In den ersten Lebenswochen sind die Jungen auf die Muttermilch angewiesen. Sie können von Geburt an schwimmen, ruhen sich aber oft an Land aus. Geht die Mutter auf Nahrungssuche, bleibt das Junge vorübergehend allein zurück. Kommen in dieser Zeit Menschen oder Hunde zu nah, kann die Mutter fernbleiben. Genau so entstehen viele Heuler: nicht durch Verlassen, sondern durch Störung.
Wann ist Heulersaison?
Die Hauptgeburtenzeit der Seehunde liegt nach Angaben des Landesjagdverbands Schleswig-Holstein zwischen Mai und August. In diesen Monaten solltest du am Strand und im Watt besonders aufmerksam sein. Die ersten Heuler werden oft schon im Mai gefunden, die letzten im Spätsommer.
Die Kegelrobbe, die zweite Robbenart im Wattenmeer, hat einen anderen Rhythmus. Ihre Jungen kommen im Winter zur Welt und tragen in den ersten Wochen ein weißes, flauschiges Fell. Auch für Kegelrobben gilt: Abstand halten und nicht stören.
Was tun, wenn du einen jungen Seehund findest?
Die Seehundstation Friedrichskoog, der Landesjagdverband und die Nationalparkverwaltung bitten übereinstimmend um dieses Vorgehen:
1. Nicht anfassen. Auch nicht, um das Tier zum Wasser zu tragen oder zu trösten. 2. Hunde fernhalten. Nimm deinen Hund sofort an die Leine und entferne dich. 3. Großen Abstand halten. Die Stationen empfehlen mehrere hundert Meter, genannt werden mindestens 300 Meter. 4. Melden. Informiere den zuständigen Seehundjäger, die Seehundstation Friedrichskoog unter 04854 1372 oder die Polizei. Einfach geht das auch mit der kostenlosen Robben.App.
Auf Amrum kannst du dich außerdem an die Naturschutzverbände vor Ort wenden, etwa an die Schutzstation Wattenmeer, den Öömrang Ferian oder den Verein Jordsand. Sie wissen, wen sie verständigen müssen.
Behalte das Tier aus der Entfernung im Blick, bis Hilfe da ist, und bitte andere Strandbesucher freundlich, ebenfalls Abstand zu halten. Mehr zu tun ist nicht, und mehr solltest du auch nicht tun, auch wenn es schwerfällt, einfach nur zu warten.
Was dann passiert
Der Seehundjäger entscheidet vor Ort, ob das Tier Hilfe braucht. Manchmal wird abgewartet, ob die Mutter zurückkommt. In Schleswig-Holstein bearbeiten die Seehundjägerinnen und Seehundjäger nach Angaben der Landesregierung jedes Jahr 2.500 bis 3.000 Funde von Meeressäugern. Braucht ein Jungtier Hilfe, bringen sie es zur Seehundstation Friedrichskoog in Dithmarschen.
Die Station besteht seit 1985 und ist nach dem internationalen Seehundabkommen die einzige berechtigte Aufnahmestelle für Heuler in Schleswig-Holstein. Jedes Jahr werden dort über 200 Jungtiere aufgezogen und nach etwa zwei Monaten wieder im Wattenmeer ausgewildert. Der Aufzuchtbereich ist für Besucher nicht zugänglich, Videokameras ermöglichen aber einen Blick auf die Jungtiere, ohne sie zu stören.

Hunde und Robben
Hunde sind für junge Seehunde eine der größten Gefahren. Schon ein neugieriger Hund in der Nähe kann die Mutter vertreiben, und immer wieder werden Jungtiere mit Bisswunden gefunden. Halte deinen Hund in der Heulersaison deshalb am Strand an der Leine, auch dort, wo er frei laufen dürfte. Welche Strände auf Amrum für Hunde erlaubt sind, erklärt unser Beitrag über die Hundestrände auf Amrum.
Seehund oder Kegelrobbe?
Auf Amrum kannst du beiden Arten begegnen. Der Seehund ist kleiner, hat einen runden Kopf mit kurzer Schnauze und ein gesprenkeltes, graubraunes Fell. Die Kegelrobbe ist deutlich größer und schwerer, ihr Kopf ist länglich mit einer geraden, kegelförmigen Schnauze. Ihre Jungen kommen im Winter und tragen zunächst ein weißes Fell.
Beide Arten sind streng geschützt. Egal welche du siehst: Abstand halten, nicht anfassen, nicht füttern und nicht für ein Foto näher heranpirschen. Ein Teleobjektiv oder ein Fernglas zeigt dir mehr, als du aus der Nähe sehen würdest.
Wo du Seehunde auf Amrum sicher beobachtest
Am schonendsten erlebst du Seehunde vom Wasser aus. Ausflugsschiffe fahren in der Saison zu den Seehundbänken und halten dabei Abstand zu den Tieren. Welche Touren es ab Amrum gibt, zeigt unser Überblick über Bootstouren und Schiffsausflüge ab Amrum.
Vom Land aus lohnt der Blick mit Fernglas von der Amrumer Odde, der Nordspitze der Insel. Bei Niedrigwasser liegen Seehunde oft auf den Sandbänken in der Umgebung. Die Odde ist Naturschutzgebiet, bleib dort auf den markierten Wegen. Tipps zur Wanderung findest du im Beitrag über die Amrumer Odde.
Weitere Beobachtungsorte stellt unser Beitrag Seehunde und Robben auf Amrum beobachten vor.
Mehr über Robben erfahren
Das Naturzentrum Amrum in Norddorf zeigt in seiner Ausstellung die Tierwelt des Wattenmeers, von den heimischen Meeressäugern bis zu den Bewohnern des Watts. Neben dem großen Pottwalskelett gibt es Meerwasseraquarien und viele Informationen für Kinder und Erwachsene. Was du dort siehst, beschreibt unser Beitrag über das Naturzentrum Amrum.
Wer sich für das Schutzgebiet insgesamt interessiert, findet im Beitrag über den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer Hintergründe zu Zonen, Regeln und Tieren. Und bei geführten Wattwanderungen erklären die Wattführer, wie Robben im Wattenmeer leben.
Drei Irrtümer über junge Seehunde
„Er liegt allein, also ist er verlassen.“ Oft nicht. Die Mutter ist meist in der Nähe im Wasser und kommt zurück, wenn es ruhig bleibt.
„Er heult, also hat er Hunger oder Schmerzen.“ Das Heulen ist ein normaler Ruf nach der Mutter und kein Zeichen von Not.
„Ich trage ihn zurück ins Wasser, dann findet er seine Mutter.“ Das ist gut gemeint, schadet aber. Du störst das Tier und gefährdest seine Rückkehr zur Mutter. Außerdem dürfen Robben nicht angefasst werden, und die Tiere können kräftig beißen.
Mit Kindern am Strand
Kinder laufen begeistert auf ein Tier zu, das am Strand liegt. Erkläre deshalb schon vor dem ersten Strandtag, was zu tun ist, wenn ihr einen Seehund seht: stehen bleiben, leise sein, Abstand halten und einem Erwachsenen Bescheid sagen. Aus der Entfernung mit dem Fernglas zu beobachten, ist für Kinder oft spannender, als man denkt. Und die Geschichte, dass die Mutter vielleicht gerade im Wasser jagt und bald zurückkommt, macht das Warten leichter.
Fotos und Drohnen
Robben reagieren empfindlich auf Annäherung von oben und von der Seite. Fotografiere mit Teleobjektiv aus großer Entfernung und brich ab, sobald ein Tier den Kopf hebt oder unruhig wird. Drohnen über Robben und Vögeln stören erheblich. Im Nationalpark gelten für den Einsatz von Drohnen eigene Regeln, informiere dich vorher und lass die Drohne im Zweifel am Boden.
Mit Blick auf Watt und Sandbänke wohnen
Wer die Tiere mit dem Fernglas vom Fenster aus suchen möchte, wohnt in Wittdün in der Ferienwohnung „Weiße Düne 9 – Gen Norden“ mit direktem Blick aufs Wattenmeer. Die Ferienwohnung „Gaubenkieker“ auf der Südspitze bietet einen Blick über Kniephaken und Kniepsand bis zu den Halligen. Und nah an der Odde wohnst du in Norddorf in der Ferienwohnung „Reethuk“, vom Gemeinschaftsgarten aus reicht der Blick übers Watt.

FAQ — Häufige Fragen zu Heulern auf Amrum
Was ist ein Heuler?
Ein junger Seehund, der von seiner Mutter getrennt wurde und ohne Hilfe nicht überleben kann.
Ist jeder allein liegende Seehund ein Heuler?
Nein. Oft ist die Mutter nur auf Nahrungssuche und kommt zurück, wenn niemand stört.
Wann ist Heulersaison?
Die Hauptgeburtenzeit der Seehunde liegt zwischen Mai und August.
Welchen Abstand soll ich halten?
Die Seehundstationen empfehlen mehrere hundert Meter, genannt werden mindestens 300 Meter.
Wen muss ich informieren?
Den zuständigen Seehundjäger, die Seehundstation Friedrichskoog unter 04854 1372 oder die Polizei. Auch die Robben.App hilft.
Darf ich einen Heuler anfassen oder ins Wasser tragen?
Nein. Nur die vom Land bestellten Seehundjäger dürfen Heuler bergen.
Wohin kommen gerettete Heuler?
In die Seehundstation Friedrichskoog, die einzige berechtigte Aufnahmestelle in Schleswig-Holstein.
Wie lange bleiben Heuler in der Station?
Etwa zwei Monate, danach werden sie im Wattenmeer ausgewildert.
Warum heulen junge Seehunde?
Das Heulen ist ein normaler Kontaktlaut, mit dem das Junge seine Mutter ruft.
Wie unterscheide ich Seehund und Kegelrobbe?
Der Seehund hat einen runden Kopf mit kurzer Schnauze, die Kegelrobbe ist größer und hat eine längliche, kegelförmige Schnauze.
Wo sehe ich Seehunde auf Amrum?
Am besten von einem Ausflugsschiff aus, das Abstand hält, oder mit Fernglas von der Amrumer Odde.
Abstand ist die beste Hilfe
Einem jungen Seehund am Strand zu begegnen, ist ein besonderer Moment. Die größte Hilfe, die du leisten kannst, ist Zurückhaltung: Abstand halten, Hund anleinen, melden. Den Rest übernehmen die Menschen, die dafür ausgebildet sind.
Auf www.amrum-appartements.de findest du Ferienwohnungen und Ferienhäuser in Wittdün, Süddorf, Nebel und Norddorf, viele davon mit Blick auf Watt und Meer.