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Der Amrumer Wald: Waldreichste Insel der Nordseeküste

Rund 200 Hektar Kiefernwald auf einer Sandinsel: Wie der Amrumer Wald entstand, wer ihn pflegt und wo du am schönsten hindurchkommst.

Wer zum ersten Mal vom Leuchtturm Richtung Norddorf radelt, rechnet mit Dünen, Heide und Wind. Stattdessen fährt man plötzlich zehn Kilometer lang durch Kiefernwald. Amrum ist mit rund 200 Hektar Waldfläche die waldreichste Insel der deutschen Nordseeküste, und das ist keine Laune der Natur: Jeder einzelne Baum steht hier, weil Menschen ihn gepflanzt haben. Die Insel war jahrhundertelang baumlos, der Sand wanderte ungebremst nach Osten auf die Dörfer und Äcker zu. Der Wald war die Antwort darauf — und ist bis heute Arbeit, keine Selbstverständlichkeit.

Der Amrumer Wald: Waldreichste Insel der Nordseeküste

Wie viel Wald hat Amrum wirklich?

Die Angaben schwanken je nach Quelle zwischen 180 und 200 Hektar. Die Amrum Touristik nennt rund 200 Hektar, Wikipedia rechnet mit 180. Der Unterschied liegt vor allem daran, was man mitzählt: reine Waldfläche oder auch die lichten Übergangsbereiche zur Heide. Unstrittig ist der Anteil an der Insel, und der liegt bei etwa zehn Prozent. Damit hat Amrum den höchsten Waldanteil aller deutschen Nordseeinseln.

Der Wald bildet einen zusammenhängenden Streifen, der die Dünen im Westen vom Geestkern mit Heide und Ackerland im Osten trennt. Er reicht vom Leuchtturm bei Nebel bis nach Norddorf, gut zehn Kilometer weit. Ein zweites, deutlich kleineres Waldstück liegt im Süden zwischen dem Campingplatz bei Wittdün und Steenodde an der Wattseite.

Warum es auf Amrum überhaupt einen Wald gibt

Nach einer schweren Flut im Jahr 1634 war die Insel nach Angaben des Bergwaldprojekts 230 Jahre lang baumlos. Für eine Sandinsel ist das kein ästhetisches, sondern ein handfestes Problem: Ohne Wurzelwerk hält nichts den Boden fest, und die Wanderdünen schoben sich Sturm für Sturm weiter nach Osten. Nachschub gab es reichlich, denn der Sand kommt von Westen — wie viel davon vor der Insel liegt, zeigt der Blick auf den Kniepsand vor der Westküste.

Die ersten Anpflanzungen Mitte des 18. Jahrhunderts hatten mit Forstwirtschaft wenig zu tun. Rund um die beiden Vogelkojen bei Nebel und Wittdün setzte man Laubbäume — Pappeln, Erlen und Birken —, damit der Kojenmann bei seinen Pirschgängen nicht von den Enten gesehen wurde. 1866 gelang im Bereich der Vogelkoje die erste einigermaßen erfolgreiche Anpflanzung, mehr Gebüsch als Wald.

Ernst wurde es ab 1887. Am Rand der Nebeler Dünen wurden bis 1898 mit Unterstützung des Schleswig-Holsteinischen Heidekulturvereins etwa 16 Hektar Kiefer und Bergkiefer gepflanzt, 1914 kamen weitere fünf Hektar dazu. Die Baumartenwahl ging auf Untersuchungen des Forstdirektors Carl Emeis zurück: Kiefer und Bergkiefer erwiesen sich als am widerstandsfähigsten gegen das Nordseeklima mit seinem hohen Salzeintrag. Beigemischte Fichten und Laubbäume kamen zunächst kaum durch. 1921 vernichtete ein Waldbrand etwa ein Zehntel der damals rund 20 Hektar jungen Bestände.

Der eigentliche Schub kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab 1948 wurde auf den Heideflächen großflächig gepflanzt, auch weil Brennholz knapp war. 1952 lief das Programm Nord an, eine Aufforstungsinitiative für die gesamte schleswig-holsteinische Westküste, von der Amrum profitierte. 1953 gründete sich der Amrumer Forstbetriebsverband, und bis 1957 entstanden rund 150 Hektar neuer Wald. Der Laubholzanteil lag bei etwa 30 Prozent, doch Salzluft, Trockenheit und der Appetit der Wildkaninchen räumten damit gründlich auf. Übrig blieb im Wesentlichen der Kiefernwald, den du heute siehst.

Wer den Wald heute pflegt

Der Forstbetriebsverband Amrum, gegründet 1953, bündelt die Interessen von 40 Waldeigentümerinnen und -eigentümern und verwaltet mit rund 180 Hektar etwa 90 Prozent der Waldfläche. Der größte Teil gehört den drei Gemeinden, wobei Nebel den umfangreichsten Besitz hat; der Rest verteilt sich auf private Eigentümer, die W.D.R. und die Kirchengemeinde St. Clemens. Holznutzung spielt eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund stehen Schutzfunktion, Erholung, Klimaschutz und Lebensraum.

Seit 2001 hilft der Bergwaldprojekt e.V. mit Freiwilligengruppen mit. Anlass war der Orkan Anatol, der Ende 1999 große Lücken in den Inselwald riss. Damals wurden erstmals standortheimische Laubgehölze gepflanzt, seither kommen jedes Jahr rund drei Projektwochen zusammen. Die Arbeit besteht zu einem guten Teil darin, junge Bäume von Brombeere und Spätblühender Traubenkirsche freizuschneiden. Beide wachsen schneller als alles andere und ersticken den Nachwuchs, wenn niemand eingreift.

Die schwerste Zäsur der jüngeren Zeit war das Jahr 2013. Im Oktober und im Dezember zogen die Orkane Christian und Xaver mit Böen bis rund 170 Stundenkilometer über die Insel. Danach mussten fast 25 Prozent des Amrumer Waldes neu aufgeforstet werden, besonders entlang des Dünengürtels bei Süddorf, wo vorher dichter Kiefernwald stand. Gepflanzt wird seitdem überwiegend Laubholz. Der Nadelholzanteil, bisher rund 90 Prozent, soll in den nächsten Jahren deutlich sinken — außer direkt am Dünenrand, wo Laubbäume im Winter zu wenig Windschutz bieten.

Welche Bäume hier wachsen

Die dominierende Art ist die Schwarzkiefer. Sie kommt mit nährstoffarmem Sandboden zurecht, hält Salz und Wind aus und bietet mit ihrem dichten Wuchs Schutz für empfindlichere Arten dahinter. Dazu kommen Bergkiefer, Waldkiefer, Fichten und Sitkafichten. Birken haben sich vor allem an Lichtungen und Waldrändern durchgesetzt, in feuchteren Senken stehen Erlen und Weiden.

Was 1948 als sehr geordnete Nadelholzpflanzung begann, wirkt heute deutlich weniger streng. Zwischen den älteren Bäumen wächst Naturverjüngung nach, es gibt Lichtungen mit eigenem Kleinklima, eine ausgeprägte Kraut- und Strauchschicht und im Herbst zahlreiche Pilz- und Flechtenarten. Besonders sehenswert sind die Ränder, wo der Wald in die Heide übergeht — im August und September lohnt sich dort ein Umweg, wenn die Heide über den Dünen lila blüht.

Wo du am besten hineinkommst

Die einfachste Variante ist der durchgehende Radweg vom Leuchtturm bis nach Norddorf. Er verläuft fast vollständig im Wald, ist gut ausgebaut und an heißen Tagen schattig, an stürmischen windgeschützt. Von ihm zweigen die Wege zum Kniepsand und zur Vogelkoje ab; in unserer Übersicht der sieben schönsten Radtouren über die Insel ist die Strecke eingebaut.

Der beliebteste Zielpunkt im Wald ist die Vogelkoje Meeram zwischen Nebel und Norddorf, eine ehemalige Entenfanganlage aus dem Jahr 1866, die bis in die 1930er-Jahre in Betrieb war. Heute führt ein Bohlenweg um den Kojenteich, es gibt Schautafeln, einen Spielplatz, ein Damwildgehege und freilaufende Gänse und Hühner. Was dich dort im Einzelnen erwartet, steht in unserem Beitrag zur Vogelkoje Meeram und ihrer Geschichte. Mit dem Inselbus erreichst du sie über die Haltestelle „Vogelkoje/Klööwenhuuch".

Mit Kindern lohnt sich der Entdeckerpfad in Süddorf: Auf dem Waldweg vom Parkplatz zum Strand sind Holztiere versteckt. Sie alle zu finden ist die eine Aufgabe, die zweite ist herauszufinden, welche davon auf Amrum gar nicht vorkommen. Der Weg zum Strand fühlt sich dadurch spürbar kürzer an.

Am südlichen Ortsrand von Norddorf beginnt außerdem der Bohlenweg zur Aussichtsdüne „A Siatler" (Setzerdüne). Mit 32 Metern ist sie die höchste Aussichtsdüne der Insel, und von der Plattform aus siehst du über den Wald hinweg bis nach Föhr, im Norden zur Odde und bei klarer Luft bis zum Leuchtturm von Hörnum. Von dort führen die Wege weiter in die Dünen; eine Auswahl findest du unter den schönsten Wanderrouten auf Amrum. Wer lieber läuft: Die Waldwege sind auch für eine Runde im Laufschuh dankbar, weil der Untergrund weich und der Wind draußen bleibt.

Was im Wald lebt

Große Säugetiere gibt es auf Amrum nicht. Reh-, Rot- und Schwarzwild fehlen ebenso wie Marder. Füchse gehören nicht zum natürlichen Bestand der Insel; in den 1990er-Jahren wurden welche ausgesetzt, was in den Möwenkolonien erhebliche Schäden anrichtete, und auch später gab es immer wieder einzelne Nachweise. Für Bodenbrüter ist das Fehlen dieser Räuber der Grund, warum Amrum ornithologisch so gut dasteht — mehr dazu in unserer Übersicht der besten Beobachtungsplätze für Vögel.

Was du tatsächlich antreffen kannst: Wildkaninchen, die im 12. Jahrhundert als Jagdwild eingeführt wurden und seither bleiben, Fledermäuse in der Dämmerung, Waldschnepfen, Eulen und viele Singvögel. Am Wegesrand fallen die Nester der Roten Waldameise und der Waldknotenameise auf, an sonnigen Stellen sonnt sich die Waldeidechse. Mit etwas Glück begegnet dir ein Kolkrabe. Eine echte Rarität sind die Moorfrösche, die sich für wenige Tage im Frühjahr zur Paarungszeit blau färben.

Das Damwild an der Vogelkoje ist kein Wildbestand, sondern lebt in einem Gehege. Amrumer Jäger brachten die Tiere vor über fünfzig Jahren auf die Insel. Futter gibt es am Servicepavillon; eigenes Brot oder andere Lebensmittel bleiben besser im Rucksack. In der Brunftzeit im Herbst hält man zum Hirsch am Zaun besser Abstand, besonders mit Kindern.

Pilze, Hunde und ein bisschen Rücksicht

Der Amrumer Wald gehört überwiegend den drei Inselgemeinden und privaten Eigentümern. Betreten zum Zweck der Erholung ist erlaubt, aber er ist kein Urwald, sondern ein gepflegter Bestand, dessen heutige Form von jährlicher Arbeit abhängt. Ein paar Punkte machen es allen leichter:

  • Auf den Wegen bleiben. Der Nachwuchs zwischen den Altbäumen ist empfindlicher, als er aussieht, und in der Brutzeit von April bis Juli braucht der Bestand Ruhe.
  • Hunde an die Leine. Eine allgemeine Leinenpflicht für die ganze Insel gibt es nicht, im Wald aber schon: In Schleswig-Holstein gilt dort nach § 17 Landeswaldgesetz ganzjährig Anleinpflicht.
  • Pilze nur in kleinen Mengen für den Eigenbedarf. Das erlaubt die sogenannte Handstraußregelung in § 39 Bundesnaturschutzgesetz — sie gilt für geringe Mengen zum persönlichen Bedarf und für Stellen ohne Betretungsverbot. Sammle nur, was du sicher bestimmen kannst; eine feste Pilzberatung gibt es auf Amrum nach unserem Kenntnisstand nicht. Abdrehen statt herausreißen schont das Myzel, ein Korb verteilt unterwegs die Sporen.
  • Nichts brennen lassen. Sandboden und Kiefernnadeln sind in trockenen Sommern schnell entzündlich, und 1921 hat gezeigt, wie das ausgeht.
  • Bei Sturmwarnung nicht in den Wald. Astbruch ist real, und nach schweren Stürmen sind Wege gesperrt, bis das Holz weg ist.

Von hier aus bist du schnell im Wald

Der Waldgürtel liegt im Norden und in der Inselmitte, entsprechend kurz sind die Wege aus Nebel, Norddorf und Süddorf. Die Ferienwohnung „At Nuurdlacht" im Haus Nordlicht in Nebel hat eine eigene Terrasse zum Garten und liegt so, dass du den Radweg Richtung Vogelkoje ohne Umweg erreichst. Wer lieber im Norden startet, ist im „Reetblick" im Haus Pesel in Norddorf gut aufgehoben — vom Wohnzimmer führt eine Flügeltür direkt in den Garten, und der Bohlenweg zur Aussichtsdüne beginnt am Ortsrand. Und wenn es nach einem langen Tag draußen warm werden darf: Die Friesenhaushälfte „Seepferdchen" im Heidehüs in Süddorf liegt nah am Waldrand und hat Kamin und Sauna im Haus.

FAQ — Häufige Fragen zum Amrumer Wald

Wie groß ist der Amrumer Wald?

Je nach Quelle werden 180 bis 200 Hektar angegeben. Das entspricht etwa zehn Prozent der Inselfläche und ist der höchste Waldanteil aller deutschen Nordseeinseln.

Warum wurde auf Amrum überhaupt aufgeforstet?

Um den Sandflug zu stoppen. Ohne Bewuchs wanderten die Dünen Richtung Osten auf Dörfer und Äcker zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Brennholzversorgung als zweiter Grund dazu.

Wann entstand der heutige Wald?

Die Großaufforstung begann 1948. Zwischen 1953 und 1957 pflanzte der neu gegründete Forstbetriebsverband rund 150 Hektar. Ältere Bestände am Rand der Nebeler Dünen gehen auf die Jahre ab 1887 zurück.

Welche Baumart dominiert?

Die Schwarzkiefer. Sie hält Salz, Wind und magere Sandböden am besten aus. Dazu kommen Berg- und Waldkiefer, Fichten, Birken sowie zunehmend standortheimische Laubbäume.

Wo verläuft der Wald?

Als zusammenhängender Streifen vom Leuchtturm bei Nebel bis nach Norddorf, gut zehn Kilometer lang. Ein kleineres Waldstück liegt zwischen dem Campingplatz bei Wittdün und Steenodde.

Wer kümmert sich um den Wald?

Der Forstbetriebsverband Amrum mit 40 Waldeigentümern, unterstützt seit 2001 vom Bergwaldprojekt e.V., das jährlich Freiwilligenwochen auf der Insel durchführt.

Was bedroht den Wald?

Vor allem Stürme. Die Orkane Christian und Xaver zwangen 2013 zur Wiederaufforstung von fast einem Viertel der Fläche. Dazu kommen Brombeere und Spätblühende Traubenkirsche, die den Jungwuchs überwachsen.

Gibt es Damwild auf Amrum?

Ja, aber nur im Gehege an der Vogelkoje Meeram. Passendes Futter gibt es am Servicepavillon. Freilebendes Reh-, Rot- oder Schwarzwild kommt auf der Insel nicht vor.

Darf ich im Amrumer Wald Pilze sammeln?

In geringen Mengen für den persönlichen Bedarf ja — das regelt die Handstraußregelung in § 39 Bundesnaturschutzgesetz. Sammle nur, was du sicher bestimmst, und lass im Zweifel liegen.

Muss mein Hund im Wald an die Leine?

Ja. In Schleswig-Holstein gilt im Wald nach § 17 Landeswaldgesetz ganzjährig Anleinpflicht. Eine allgemeine Leinenpflicht für die gesamte Insel gibt es dagegen nicht.

Wie komme ich ohne Rad zur Vogelkoje?

Zu Fuß von Nebel oder Norddorf über die Waldwege oder mit dem Inselbus bis zur Haltestelle „Vogelkoje/Klööwenhuuch".

Was ist der Entdeckerpfad in Süddorf?

Ein kurzer Waldweg zum Süddorfer Strand, an dem Holztiere versteckt sind. Einige davon gehören nicht zur Amrumer Tierwelt — genau das herauszufinden ist die Aufgabe.

Und wenn du selbst hin willst

Für einen ersten Eindruck reicht die Radstrecke vom Leuchtturm nach Norddorf. Wer mehr will, steigt an der Vogelkoje ab, läuft den Rundweg und nimmt anschließend den Bohlenweg zur Aussichtsdüne — von oben sieht man am besten, wie schmal dieser Waldstreifen zwischen Dünen und Geest tatsächlich ist und wie viel Arbeit darin steckt.

Auf www.amrum-appartements.de findest du Ferienwohnungen in Nebel, Norddorf, Süddorf und Wittdün. Aus den drei nördlicheren Orten bist du in wenigen Minuten am Waldrand, und ein Fahrrad genügt, um den ganzen Gürtel an einem Vormittag abzufahren.